Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann" /> Sehen-Lesen-Schreiben
die Deutsche Literatur
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Sehen-Lesen-Schreiben
"Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann
MASAYA HONDA
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1994 Volume 92 Pages 128-138

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Abstract
In der vorliegenden Arbeit wird E.T.A. Hoffmanns "Sandmann“ untersucht, dabei liegt die Betonung auf der Beziehung zwischen dem "Sehen“ und dem "Schreiben“. Es wird Bezug genommen auf eine intertextuelle Interpretation des Themas des Erzählens.
1. Lesen-Schreiben
"Der Sandmann“ hat drei Szenen, die für die Betrachtung der Schreibweise Hoffmanns bedeutungsvoll sind: Nathanael verbirgt sich hinter der Gardine und blickt auf den Sandmann; Olimpia wird wieder eine leblose Puppe; Nathanael springt vom Ratsturm über das Geländer. Diese drei sind jene Teile, deren Bedeutung erst durch den Überblick über das große Ganze festgestellt werden kann.
In der ersten Szene wird Nathanaels innere Unstabilität durch die Darstellung des Raumes dargestellt. Hier ist auch die Position des "Erzählers“ nicht bestimmt. Das bedeutet, daß es vielfache Aspekte des Erzählens in dieser Szene gibt. Diese Erzählweise wird dadurch realisiert, daß der Briefstil im Gebrauch zu sein scheint. Außerdem sieht es so aus, als ob der Erzähler auf der Bühne erscheine, und er dem Leser die Briefe zeige. Nathanael hat an Lothar einen Brief geschrieben, aber es war Clara, die ihn gelesen hat. Außerdem gibt es den Erzähler, der drei Briefe "gelesen“ hat und als einen Teil der Erzählung "Der Sandmann“ sie dem Leser "erzählt“. Hier entsteht eine "Polyphonie“, eine Vielstimmigkeit des Erzählens.
2. Sehen-Schreiben
Aus der Untersuchung der Schreibweise Hoffmanns, die "Sehen“ im Zusammenhang mit "Schreiben“ bringt, kann das Geheimnis seines Schöpfungsakts abgeleitet werden. Wieder die Szene, in der Nathanael den Sandmann sieht: Bevor er den Sandmann gesehen hat, wurde die Gestalt des Sandmanns nur aus akustischen Bildern zusammengesetzt. Der Leser erhält hier nicht nur die Bedeutung, sondern auch den Klang und den Rhythmus der Worte.
Dieser Stil mit dem akustischen Bild wechselt plötzlich mit dem Erzählen des "Sehens“, indem Nathanael auf den Sandmann blickt. Die hier gegebene detaillierte Beschreibung von der Gestalt des Sandmanns stammt aus Nathanaeis Lust zu sehen. Durch die Schreibweise mit dem akustischen Bild hört auch der Leser den Ton der Außenwelt neben dem Helden, und das wird durch das Erzählen des Erzählers als Medium verwirklicht. Aber diese Situation bricht zusammen, indem Nathanael seine Lust zu sehen ohne Grenzen ausbrechen läßt. Weil der Leser die Welt nur durch Nathanaels Augen erfahren kann, und Nathanael bald in Wahnsinn verfällt, wird der Leser mit ihm in Bestürzung versetzt.
3. Die polyphone Erzählung
Wenn Nathanael etwas betrachtet, wird er von seinem Betrachtungsgegenstand selber betrachtet (z.B. durch die Augen Olimpias). Und gleich danach fängt sein Körper an, sich wie eine Marionette zu bewegen. Der Blick des anderen und sein eigener, vom Spiegel reflektierter Blick (=Selbstbewußtsein)-die beiden werden gleichzeitig durch "Augen“ symbolisiert. Der Zusammenbruch der Einheitlichkeit von dem Ich Nathanaels und von seinem Körper verbindet sich metaphorisch mit dem Prozeß, daß Worte verschiedenartige Interpretationsmöglichkeiten erhalten. "Lesen“-"gelesen werden“, "sehen“-"gesehen werden“: mit diesem Wechsel wird im "Sandmann“ das polyphone Erzählen verwirklicht.
Als Arrangeure hat Hoffmann auf intertextuelle Weise vielartige Elemente, z.B. Töne, Farbe, Erinnerungen und körperliche Bilder im "Sandmann“ integriert,
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