ドイツ文学
Online ISSN : 2433-1511
特集:文芸公共圏
Kritische Öffentlichkeit im Mittelalter?
Das Fallbeispiel der Mystikerinnen Margaretha Ebner, Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg
Yuko KATAYAMA
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2020 年 160 巻 p. 11-29

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抄録

  Laut Jürgen Habermas kannte das Mittelalter noch keine Öffentlichkeit, die sich von der herrschenden „repräsentativen“ Öffentlichkeit absetzte. Demgegenüber wird hier die europäische Frauenmystik als eine Öffentlichkeit behandelt, die sich zur herrschenden Ordnung des christlichen Mittelalters kritisch verhielt. Bereits die Äußerung eigener religiöser Erfahrungen durch Frauen widersprach der institutionalisierten Ordnung der katholischen Kirche; ihre Aussagen und Verhaltensweisen wichen zudem von den kirchlichen Dogmen und Ritualen ab. Um Texte und Briefe der Mystikerinnen herum bildeten sich dennoch Kommunikationszusammenhänge, die man als eine eigene „Öffentlichkeit“ von teils erheblicher Breite ansehen könnte. Diese Abweichung von der herrschenden Ordnung wurde zugleich gerade nach dem Modell der herrschenden Ordnung legitimiert, nämlich im Sinn einer „repräsentativen“ Öffentlichkeit: Die Abweichung rechtfertigte sich durch den unmittelbaren Bezug auf Gott und seinen Befehl als höchste Autorität, die sogar von den Institutionen der Kirche lediglich vertreten wurde. Soweit die mystische Erfahrung einer Frau durch die „Gnade“ Gottes gegeben war, wurde sie potentiell der kirchlichen Ordnung ebenbürtig, die ebenfalls sozusagen „von Gottes Gnaden“ bestand. Die dafür entscheidende Authentizität des mystischen „Erlebens“ als eines von Gott verursachten Geschehens wird hier mit Hilfe der Beobachtungstheorie Niklas Luhmanns analysiert, um die Selbstdarstellung der Mystikerin, ihre Rezeption durch ein Publikum und die Verschränkung zwischen beiden Seiten zu beschreiben, auf der ein erfolgreicher mystischer Diskurs im Mittelalter beruhte. Um verschiedene mögliche Konstellationen zwischen der kritischen Öffentlichkeit der Frauenmystik und der herrschenden Öffentlichkeit von Kirche und Klerus aufzuweisen, werden als Fallbeispiele die drei deutschen Mystikerinnen Margaretha Ebner, Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg betrachtet.

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