Linguisten-Seminar : Forum japanisch-germanistischer Sprachforschung
Online ISSN : 2434-5407
Volume 1
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Wie entsteht Bedeutung? Semantik zwischen Grammatik, Kognition und Kontext
  • Polysemie – Unterbestimmtheit – Uminterpretation
    Claudia Maienborn
    2019Volume 1 Pages 11-44
    Published: 2019
    Released on J-STAGE: April 02, 2019
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    Der Beitrag stellt eine Theorie der lexikalischen Semantik vor, die verschiede­ne Mechanismen flexibler Bedeutungs­zuordnung anbietet, die im Zuge der Komposition wirksam werden. Darüber lassen sich unterschiedliche Typen von Mehrdeutigkeit identifizieren und modellieren: Polysemie (in zwei Vari­an­ten), sowie Unterbestimmtheit und Uminter­pretation/Coercion. Der wesent­li­che Schlüssel für eine bereits im Lexikon angelegte Flexibilität der Bedeu­tungs­zu­ord­nung ist die Annahme eines Typensystems, welches es zum einen erlaubt, Variablen beliebig feinkörnig zu typi­sieren und darüber u. a. Selektionsbeschränkungen von Prädikaten zu erfassen, und welches zum anderen auch die Bildung von komplexen Typen (dot-Typen, disjunktive und polymorphe Typen) vorsieht. Die Typenhierarchie stellt das Wegesystem dar, über welches sprachliches Wissen und Weltwissen miteinander verbunden sind. Dabei fungieren die durch Selektionsbeschränkungen präsupponierten höheren Typen gleichsam als konzeptuelle Brückenköpfe im Sprachsystem. Die vorgestellten Analysen unterstreichen das Primat der sprachgebundenen Bedeutung und sie zeigen auf, wie diese in größere konzeptuelle Wissens­struk­turen eingebettet ist. Die formale Modellierung erfolgt im Rahmen von Ashers (2011) Typenkompositionslogik. Als Illustrations­gegenstand dienen Adjektive.
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  • Kwangsin Jee
    2019Volume 1 Pages 45-55
    Published: 2019
    Released on J-STAGE: April 02, 2019
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    In dieser Arbeit geht es um die Frage nach der Entstehung und der Funktion der Fügung werden+Infinitiv. Die Kon­struktion werden+Infinitiv wird in den meisten Grammatiken als Futur-Tempus dargestellt und dient dabei nicht nur zur Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens, sondern auch zur Bezeich­nung eines vermuteten Geschehens in der Gegenwart. Trotzdem wird von einigen Grammatikern behauptet, dass das werden-Futur neben dem Futur II die am seltensten verwendete Tempusform des Deutschen sei. Für zukunfts­bezogene Aussagen wird zur Zeit haupt­sächlich das Präsens verwendet, z. B. Ich gehe morgen ins Kino.
    Im zweiten Kapitel werde ich behandeln, wann und wie sich die Konstruktion werden+Infinitiv im Deutschen als Futur-Tempus entwickelt hat. Als Grund­lage dienen einige Untersuchungen auf dem Gebiet der geschichtlichen Ent­wick­lung der Konstruktion werden+Infinitiv. Im dritten Kapitel werde ich an Hand meiner eigenen Datenanalyse auch feststellen, ob und wie sich die Funktionen der Konstruktion werden+Infinitiv im heutigen Deutsch von der im Deut­schen der Lutherzeit unterscheiden. Daher fungieren als Text­grund­lage die Endzeitreden in der lutherischen Bibel (1975) und ein gegen­wärtiger Roman, Agnes (1998) von Peter Stamm.
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  • Eine Fallstudie über die wegbezogene und die temporale Lesart beim Partikelverb durchfahren
    Miho Takahashi
    2019Volume 1 Pages 56-72
    Published: 2019
    Released on J-STAGE: April 02, 2019
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    Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Erschließungsprozess von Les­ar­ten beim Partikelverb durchfahren. Das genannte Verb hat zwei unter­schied­li­che Lesarten in Bezug auf Fortbewegung: eine wegbezogene Lesart („Durch­querung eines Ortes“) und eine temporale Lesart („andauernde Fahrt“). Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, anhand von Daten aus dem Korpus vorzu­füh­ren, dass beide Lesarten von durchfahren auf die räumliche Bedeutung zu­rück­geführt werden können. Es wird dahingehend argumentiert, dass selbst die temporale Lesart im Sinne von „andau­ernder Fahrt“ aus der räumlichen Bedeutung abgeleitet werden kann, welche von der Präposition durch gege­ben wird. Demnach spielt die Spezifiziertheit bzw. Unspezifiziertheit eines Übergangsortes, der von dem Sich-Bewegen­den im Subjekt durchschritten wird, bei der Interpretation des ganzen Satzes eine relevante Rolle. Ereignis­strukturell gesehen, bezieht sich die wegbezogene Lesart auf ein einmaliges Ereignis des Durch­schrei­tens. Im Gegensatz dazu lässt sich die temporale Lesart als die Menge von zahllosen sukzessiven Ereignissen des Durch­schrei­tens fassen. Aus den Ergebnissen dieser Arbeit lässt sich schluss­fol­gern, dass die temporale Deutung in der Tat aus einer Räum­lich­keit abge­lei­tet werden kann. Hier liegt demnach eine zeitliche Entwicklung vor, die genau im Eins-zu-Eins-Ver­hält­nis vom räumlichen Übergang abgebildet wird.
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  • Yuto Yamazaki, Yoshiki Mori
    2019Volume 1 Pages 73-88
    Published: 2019
    Released on J-STAGE: April 02, 2019
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    Bei den deutschen Spaltsätzen finden sich zwei verschiedene Wort­stel­lun­gen, wie in (i) dargestellt:
    (i) a. Es ist Hans, der kommt.
       b. Hans ist es, der kommt.
    Diese Arbeit zielt darauf ab, den Unterschied hinsichtlich der Wortstellung der deutschen Spalt­sätze aus Sicht der Semantik zu erklären. Zuerst richten wir unser besonderes Augenmerk auf Frage-Antwort-Kongruenz bei den Spalt­sät­zen, basierend auf der Alternativensemantik von Rooth (1992, 1996). Es zeigt sich, dass der kanonische Spaltsatz (ia) als Antwort auf eine W-Fra­ge verwendet werden kann, während der invertierte Spaltsatz (ib) nor­ma­ler­weise nicht als Antwort auf eine W-Frage verwendet werden kann. Daraus lässt sich schließen, dass man den Fokus beim in­ver­tier­ten Spaltsatz als markiert betrachten kann. In dieser Arbeit setzen wir uns mit der Fokus­in­ter­pretation im Hin­blick auf Modalität auseinander. Nachdem wir den Fokus beim invertierten Spaltsatz als Contrastive Focus im Sinne von Zimmermann (2008) bezeichnen, schlagen wir unsere Analyse vor, die die Analyse von Grosz (2012) auf Zimmer­mannschen Contrastive Focus bezieht. Zum Schluss wird aufgrund von empirischen Belegen vorgeführt, dass un­se­re Analyse richtig voraussagen kann, wie eine kontrastive Interpretation in den Spaltsätzen zustande kommt.
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