Die vorliegende Arbeit untersucht, wie ästhetische Urteile im Sport möglich werden, und stützt sich dabei auf die erkenntnistheoretische Tradition von Baumgarten über Kant bis zu Husserl. Die bisherige Sportästhetik richtete ihr Augenmerk vor allem auf die Beziehung zwischen Sport und Kunst sowie auf die Interpretation ästhetischer Werte, ohne jedoch die erkenntnistheoretischen Strukturen zu klären, die solche Urteile überhaupt ermöglichen. Zunächst werden die in der Ästhetik Baumgartens und insbesondere in Kants Theorie der Einbildungskraft und der Geschmacksurteile enthaltenen Prinzipien der Sinnlichkeit dargestellt. Dabei zeigt sich, dass Kant die Genese der Einheit von Vorstellungen sowie die Bildung ästhetischer Wertdispositionen nur unzureichend erklärt. Anschließend wird Husserls Phänomenologie herangezogen, insbesondere die Begriffe der passiven Synthese, der ursprünglichen Assoziation und der Wertnehmung. Auf dieser Grundlage wird gezeigt, wie Empfindungen, Erinnerungen und Gefühl sich in wechselseitige Weckung zu Sinn und Wert verdichten und wie durch Wesensanschauung und Intersubjektivität eine Objektivierung ästhetischer Werte erfolgt. Dadurch wird eine erkenntnistheoretische Grundlage der sportlichen Schönheit aufgezeigt, die zugleich neue Perspektiven für die Frage nach der Kunstfähigkeit des Sports und der intersubjektiven Gemeinsamkeit ästhetischer Werte – etwa in bewerteten Sportarten – eröffnet.
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