Abstract
Im letzten Teil des Atombombenbuchs von K. Jaspers(1958)erscheint plötzlich
der Begriff »Unsterblichkeit«. Jaspers sagt: nur aus der Unsterblichkeit
»kann eine Folge sein, daß der Selbstmord der Menschheit abgewehrt wird«. In
welchem Sinne überwindet dieser veraltete Begriff die Krise des Atomkriegs, um
die Zukunft des Menschen fortzusetzen? In dieser Abhandlung werden die
Struktur und die Bedeutung der »Unsterblichkeit« im Zusammenhang mit der
Konzeption der Erweiterung des Begriffs »Gemeinschaft« erläutert.
Die Grenzsituation des »Todes« in „Philosophie“(1932)wurde nur vom
Einzelnen erhellt und auf sich genommen. Dagegen wird die »Vernichtung« der
Menschheit durch die Nuklearwaffen für »die neue Grenzsituation« gehalten.
Denn sie ist das gemeinsame Problem, für das alle seiende Menschen verantwortlich
sind. Es ist die metaphysische Frage »nach Sein oder Nichtsein«. Daher
ist die eigentliche Weise der Menschen angesichts der Vernichtung »die Gemeinschaft
der Vernünftigen«, zu der alle Existenzen potentiell gehören.
Nach der Bestimmung in „Philosophie“ heißt nun die Unsterblichkeit als Gegensatz
zum Tod die Weise der Existenz in ihrer Geschichtlichkeit. Die Existenz
ist mehr als das bloß sterbliche Dasein, indem sie einen Aufschwung des Seins
im »Augenblick« als Einmaligkeit erreicht. Dazu noch sind die Anderen als die
Existenzen auch unsterblich. Der Nächste kann trotz seines Todes in der dauernden
existentiellen Kommunikation gegenwärtig bleiben. Jaspers weist hiermit
auf die Gemeinschaft mit den Nicht-mehr-Seienden hin.
Im Atombombenbuch wird die »Unsterblichkeit« aber wieder auf Grund des
existentiellen Augenblicks bestimmt. Denn es kommt im Hinblick auf die Vernichtung
eben darauf an, daß das Dasein der Menschheit fortbestehen. Also
wird die vernünftige universelle Gemeinschaft im doppelten Sinne »unsterblich«.
Nur wenn die Existenzen jeweils in der Gegenwart die Kommunikation vollziehen,
dann vermag die Menschheit zugleich ihr Dasein in die offene Zukunft
d.h. in den Spielraum alles Seinkönnens zu bringen. Der Begriff »Unsterblichkeit
« von Jaspers ist hierdurch als ein Ansatz zur existentiellen Zukunftsethik
zu verstehen. Die grenzenlose Erweiterung der Kommunikation ist die Realisierung
der Gemeinschaft mit den Noch-nicht-Seienden.