Abstract
Wilhelmine Heimburg (1848–1912), eine der populärsten Schriftstellerinnen im deutschen Kaiserreich, veröffentlichte fast alle ihre Werke in der Familienzeitschrift Gartenlaube, deren Hauptpublikum das Kleinbürgertum war. Nach dem Tod der diese Zeitschrift vertretenden Autorin E. Marlitt galt sie als deren Nachfolgerin. Zwar haben Heimburgs Romane häufig ein typisches Happy End, doch in ihrer nüchternen Erzählweise bzw. in der Sprache der Figuren sind oft Elemente erkennbar, die mit den Wertvorstellungen des damaligen Bürgertums nicht in Einklang stehen und sich damit deutlich von ihrer Vorgängerin unterscheiden. In dieser Arbeit wird das Schwanken der bürgerlichen Wertvorstellungen untersucht, das sich in einigen Motiven wie dem Aschenputtelmotiv, der „intimen Familie“ oder der „Mutterrolle“ in drei Werken Heimburgs aus den 1890er Jahren zeigt.