Abstract
Die Grundlage der Thorie des sozialistischen Realismus ist die Theorie der Widerspiegelung. Die Tatsache, daß Georg Lukács die Theorie der Widerspiegelung und die des Realismus anerkannt hat, hatte innere Notwendigkeit. Das Scheitern der Weltrevolution in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts veranlaßte Lukács zu einer strengen Überprüfung seiner Weltanschauung. Er begann, der subjektiven Intention eines Menschen skeptisch gegenüberzustehen und die Erkenntnis der objektiven Wirklichkeit für das Wichtigste zu halten. Er erkannte also die Theorie der Widerspiegelung vollständig an.
Seit aber im Jahre 1934 die Theorie des sozialistischen Realismus als die offizielle Kunsttheorie auf Kosten der modernen Avantgardismus anerkannt worden war, fehlte der Kunsttheorie des Marxismus Begriff vom Antirealismus.
In der Zeitschrift “Das Wort” kam es im Jahre 1937 zur Diskussion über den Expressionismus. Diese Diskussion erhellte den Mangel der Theorie des Realismus und die Bedeutung der avantgardistischen Kunst (in diesem Falle des Expressionismus). In der Diskussion war Ernst Bloch Lukács' stärkster Gegner. Lukács lehnte vom Standpunkt des Realismus den Expressionismus ab. Bloch erklärte dagegen den sozialistischen Realismus für epigonenhaften Klassizismus und pries den Expressionismus als Zukunft antizipierende Bewegung. Diese vom Expressionismus antizipierte Zukunft war nach Bloch das Totum und ultimum, auf das alles menschliche Streben zielt.
Für Bloch bedeutete der Expressionismus das Streben des menschlichen Willens zum Licht, zur höchsten Erfüllung. Für ihn handelte es sich um die Einbeziehung der in der Wirklichkeit gescheiterten Intention in das Noch-Nicht, auf das man wartet. Mit diesem literaturkritischen Versuch nahm Bloch selbst an der antizipierenden Bewegung im Überbau teil, die er für die wichtigste in der schöpferischen Kunst hält.