New Testament Studies
Online ISSN : 2434-1363
Print ISSN : 0286-9055
Ohne Gott: Textkritik und Christologie von Hebr 2,9
Daichi Okawa
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JOURNAL OPEN ACCESS

2021 Volume 49 Pages 29-51

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Hebr 2,9, wo vom Kreuzestod Jesu die Rede ist, liegt ein altherbekanntes textkritisches Problem vor. Hat nämlich Jesus den Tod geschmeckt „durch Gottes Gnade“ oder „ohne Gott“? Die meinsten wichtigen Handschriften bezeugen die erste Lesart χάριτι θεοῦ. Wenn man aber die Zeugnisse der Kirchenväter beachtet, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Denn die zweite, auch schwierigere Lesart χωρὶς θεοῦ muss von sehr früh an verbreitet gewesen sein. Die letzte Lesart ist nicht nur textkritisch wahrscheinlicher, sondern sie hat auch einen guten Sinn im Rahmen der Christologie von Erniedrigung und Erhöhung, die für Hebr charakteristisch ist. Zum Moment der Erniedrigung gehören die Aussagen wie: Jesus sei den Menschen gleichgeworden, um Hohenpriester zu werden (2,14.17); im großen Schrei und mit Tränen flehte er Gott eine Errettung aus dem kommenden Kreuzestod an (5,7); er musste aber schließlich “außerhalb des Tores” (13,12) das Todesleiden auf sich hinnehmen. Zum Moment der Erhöhung gehört vor allem: Jesus sei jetzt in den Himmel erhöht worden und als Hohepriester vor dem Angesicht Gottes erschien (9,24). Nach der Auffassung des Briefautors ist also nicht bloß einer, der in den Himmel hinauf erhöht wurde und jetzt zur Rechte Gottes sitzt, sondern gerade jener Jesus, der das Todesleiden „ohne Gott“ erlitten hat, ist als solcher, der die Menschen zu erlösen fähig ist, der Hohepriester.
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