抄録
Es ist allgemein festzustellen, daß man bei der Erfoschung der Sprache grundsätzlich zwei Fragen zum Ausgangspunkt nimmt: erstens die Frage nach ihrer Struktur, zweitens die nach ihrer Funktion im sozialen Kommunikations-Handlungsspiel.
Die generative transformationelle Grammatik hat bekanntlich mit der Frage nach der Struktur der Sprache begonnen, und zwar mit der Saussureschen Dichotomie langue und parole als Hintergrund. Dies bedeutet, daß diese neue Linguistik unvermeidlich statisch wird, obwohl sie sich an der dynamischen Auffassung der Sprache, nämlich ihrer Generativität orientiert (-nachträglich bekennt Chomsky, daß seine Auffassung dem energeia-Begriff von Humboldt zu Dank verpflichtet sei). Daß darin zwei von einander verschiedene Momente-nämlich ein statisches und ein dynamisches-vom Anfang an enthalten sind, führt notwendigerweise dazu, daß man die schon früh von Peirce und Morris eingeführte Pragmatik als Teildisziplin in den Gesamtkomplex der Sprachtheorie einbeziehen muß. Dieser Notwendigkeit bzw. Schwierigkeit steht die gegenwärtige generative Transformationsgrammatik gegenüber. Die Struktur und Funktion ist von der realen Sprechsituation bedingt, und die Erforschung der Sprachstruktur kann ohne deren Berücksichtigung nie komplett sein.
Die Textlinguistik hat sich, was die oben genannten zwei Frageweisen betrifft, etwas anders entwickelt. Sie geht primär davon aus, daß die Funktion der Sprache realitätsnah als sozial-kommunikatives Handlungsspiel innerhalb einer Sprachgemeinschaft erforscht werden soll. Damit ist aber gar nicht gemeint, die Textlinguistik distanziere sich kritisch von der Saussureschen Dichotomie. Im Gegenteil ist sie eine extrem synchrone Betrachtung der Sprache. Obwohl sie also in ihrem Ansatz statisch ist, muß sie, um die Sprachrealität genau zu erfassen, ihrer Dynamik entsprechen, und sie versucht ihr tatsächlich zu entsprechen.
Kurz gesagt: während die eigentlich an der Dynamik orientierte Forschung letzten Endes statisch geworden ist, wird die sich auf den statischen Aspekt der Sprache richtende Forschung in Wirklichkeit dynamisch. Das ist aber kein Paradox. Die Sprache ist zu komplex, um mit der Sprache umfassend aufgefaßt werden zu können. Die Sprache hat einen dialektischen Chrakter.
Meine Textanalyse (Borchert: "Merkwürdig“) im Hinblick auf den Texterzeugungsprozeß folgt der Notation von McCawley. Ich gehe also von einem generativ-semantischen Standpunkt aus. Es muß betont werden, daß man die Textlinguistik nicht mit der Textanalyse gleichsetzen darf. Obwohl die textlinguistischen Forschungsergebnisse auch zur Text-analyse beitragen können, richtet sich die Textlinguistik in erster Linie auf das werdende, auf den Texterzeugungsprozeß. Mit dem gewordenen dagegen befaßt sich die Textanalyse. Sie fragt also hauptsächlich nach der phänomenalen Form (Gestalt) des Textes. Für die Textliguistik ist nicht nur das Oberflächliche interessant, sondern auch der dahinter liegende Prozeß der Texterzeugung und der Zusammenhang von beidem. Falsch wäre es demnach, meinen Versuch einer Textanalyse so zu verstehen, als ob er nicht zum Erschließen des Erzeugungsprozesses des betreffenden Textes beitragen wollte. Selbstverständlich muß man sich dessen genau bewußt sein, daß es zwischen wie (das gewordene) und was (das werdende) vielschichtige strukturelle Prozesse gibt.
Die heutige Sprachforschung muß sich auf jeden Fall mit sogenannten pragmatischen Aspekten beschäftigen. Dabei ist es wichtig, daß man die Pragmatik auch versteht als "eine rationale Tätigkeit des Wissenschaftlers, die sich auf die Voraussetzungen, möglichen Folgerungen und