抄録
"Die blonde Bestie" ist das Wort, das die Politisierung und Popularisierung von Nietzsche's Philosophie im Zusammenhang mit der Nazi-Ideologie symbolisiert. Die Auslegung ist jetzt noch härtnackig, daß "die blonde Bestie" das Modell des Üebermenschen ist, daß Nietzsche ihre barbarische Lebensart lobt.
Diese Abhandlung will beweisen, daß in Zur Genealogie der Moral "die blonde Bestie" nur die blosse Rolle der genealogischen Erklärungsvorrichtung spielt, daß vielmehr die Menschen, die ein schlechtes Gewissen haben, das heiβt die Schwachen, die im Gegensatz zur "die blonden Bestie" sthen, in enger Beziehung zum Üebermenschen stehen. Der nach innen schlagende Wille zur Macht, welcher das Wesen des schlechten Gewissens ist, macht die Menschen zum Etwas, das der Selbstuberwindung fähig ist. Da erst werden die Menschen "der Mensch" in Zarathustra's Lehre, namlich Etwas, das "eine Brucke und kein Zweck ist", das "zwischen Thier und Üebermensch" steht. In diesem Schema, das heißt "Thier-Mensch-Üebermensch", "die blonde Bestie" gehört zum "Thier". Sie ist durchaus nicht das Modell des Üebermenschen, sondern vielmehr sein Gegensatz. In Zur Genealogie der Moral zeigen die Unterdruckten, die ein schlechtes Gewissen haben, eben die echten Zukunftsvollen und Blutsverwandten des Üebermenschen.