SOCIO-ECONOMIC HISTORY
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Das Profil der Arbeiterklasse am Vorabend der Nazizeit
Haruhiko HOSHINO
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1987 Volume 53 Issue 2 Pages 213-230,267

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Abstract
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hat die verschiedensten Differenzierungen innerhalb der Arbeiterklasse auf okonomischem, sozialem und politischem Gebiet hervorgerufen bzw. gefordert. Unter all den Unterschieden wie z.B. zwischen einzclnen Industriezweigen, zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern usw., die ein einheitliches Verhalten der Arbeiter verhindert haben, bestand der groBte Unterschied zwischen Erwerbstatigen und Erwerbslosen, wie KUCZYNSKI erortert hat. Einerseits stiegen wahrend der Weltwirtschaftskrise die Reallohne der Erwerbs-tatigen. Aus Angst vor dem Verlust der Arbeitsplatze verhielten sie sich politisch passiv. Ausdruck dessen ist z.B. die geringe Anzahl von Streiks in jener Zeit. Es gab kaum Aktionen gegen den Staatsstreich von PAPENs oder die Machtubernahme durch die Nazis. Andererseits wurden die Erwerbslosen, deren Zahl fast sieben Millionell erreicht hatte, gezwungen in bitterster Not zu leben. Zwar ist ein Teil der Arlosen in die Partei der Nazis eingetreten, jedoch gab es nach HAMILTONs Uhtersuchung nur wenige solcher Falle. Die uberwiegende Mehrheit der Arbeitslosen sind als antifaschistische Krafte aufgetreten. Deren Zentrum war, raumlich gesehen, der ,,Kietz" in den Arbeitervierteln, wo sich die verschiedenen Buros der Arbeiterorganisationen befanden. Die Kneipe im ,,Kietz" bezeichnete KAUTZKY als das ,,einzige Bollwerk der politischen Freiheit des Proletariats". Das Zusammengehorigkeitsgefuhl in den Albeitervierteln, hervorgerufen durch die Besonderheiten des Milieus, spielte bei Angriffen seitens der Nazis eine groBe Rolle. Dabei reagierte vor allem die sogenannte ,,Clique", die Gruppierungen der Jungarbeiter, sehr aktiv. Als die Nazis ab 1930 in den Arbeitervierteln besondere Kneipen (,,Sturmlokal") zur Organisierung des Lumpenproletariats einrichteten, schufen die Arbeiter als Gegenwehr die Massenselbstschutzformaonen, basierend auf dem Kommunikationsnetz innerhalb der Arbeiterviertel, die den Kern der antifaschistischen Bewegung bildeten. Wenn also die Sozialdemokratische Partei Deutschlands von den Erwerbstatigen und die Kommunistische Partei Deutschlands von den Erwerbslosen unter-stutzt wurde wegen der obengenannten so groBen Risse zwischen beiden Schichten der Arbeiter hinsichtlich der sozialen und politischen Zustande, meinen wir, daβ die Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien am Ende der Weimarer Republik bedeutend umfassendere, tiefer gehende Hintergrunde hatten.
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© 1987 The Socio-Economic History Society
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