抄録
Th. Manns Werke handeln selten um die Familie. Die Hauptfiguren in seinen Werken sind meist als Individuen festgelegt. Drei Familienromane, "Buddenbrooks, “ "Königliche Hoheit“ und "Joseph u. seine Brüder“, behandeln nicht die Familie, sondern die Auflösung der Familie und die Individualisierung ihrer Mitglieder. In der auflösenden Familie hebt Th. Mann das Verhältnis der Brüder am stärksten hervor. Die Brüder in seinen Werken werden immer gegenübergestellt. Dieses Thema des Bruderzwists gehört zu einem Hauptthema im Werk Th. Manns, nämlich die künstlerisch veranlagten Hauptfiguren im Gegensatz zur bürgerlichen Familie. Als Modell dazu können wir den bekannten Bruderzwist zwischen Th. Mann und H. Mann heranziehen. In der Tat entwickelt dieses dichterische Thema sich parallel zum tatsächlichen Verhältnis der Brüder.
Durch die gegenwärtige Forschung wird die Tatsache deutlich, daß die Brüder lebenslang in einem engen Verhältnis zueinander gestanden haben und daß die Erklärung desselben Verhältnisses ein Schlüssel zur Erforschung der Werke Th. Manns darstellt. Im vorliegenden werden seine drei Romane entsprechend den tatsächlichen und literarischen Verhältnissen zwischen den Brüdern betrachtet.
In den "Buddenbrooks“ entwickelt sich das Thema des Bruderzwists zwischen dem Konsul und seinem älteren Bruder sowie zwischen Thomas und seinem jüngeren Bruder. Zwischen den Brüdern gewinnt der jüngere den Oberhand vor dem älteren. Damit wird das Thema des Segens in "Joseph u. seine Brüder“ und das Thema des Repräsentanten in "Königliche Hoheit“ vorweggenommen. Daß die Bünde zwischen den Brüdern Mann in früher Zeit am stärksten waren, ist bekannt. Trotz der üblichen Vertrautheit unter Brüdern können wir aber ihre besonderen Eigenschaften und eine gegenseitige kritische Beurteilung in ihren Werken finden. In der Zeit, in der Th. Mann sich seiner Lage als Nachfolger des väterlichen Geistes bewußt war, schrieb er die "Buddenbrooks.“
Seitdem erschienen seine kritischen Äußerungen gegen den ästhetisierenden älteren Bruder. Auch mit der neuen demokratischen Haltung Heinrich Manns ist der jüngere, der unpolitischere, unzufrieden. Thomas Mann, der guten Erfolg gehabt und bald geheiratet hat, schrieb dann die autobiographische "Königliche Hoheit“. Er sagte selbst, das Verhältnis zwischen den Brüdern in diesem Werk beruhe auf Wahrheit. Albrecht ist mit seinem beliebten jüngeren Bruder unzufrieden, aber ohne auffallende Zwistigkeiten überläßt er diesem das Recht der Repräsentation. Wieder gewinnt der jüngere den Vorrang vor dem älteren. Auch die neue Idee der Synthese am Schluß des Romans ist bemerkenswert. Danach schrieb Th. Mann den Aufsatz "Künstler und Literat“ und kritisierte den älteren Bruder. Auch wegen anderer Probleme tadelte er ihn.
Beim Ausbrechen des Weltkriegs gerieten sie in Zwist. Der jüngere schrieb "Gedanken im Krieg“ und "Friedrich und die große Koalition“ und unterstützte den Krieg. Der ältere schrieb einen Aufsatz über Zola und unterstützte die Demokratie. Dieser Aufsatz machte den politischen Gegensatz zwischen ihnen in der Öffentlichkeit deutlich und ärgerte den jüngeren. H. Mann schlug 1917 eine Versöhnung aus, aber der jüngere lehnte den Vorschlag sofort ab. Nach vier. Jahren erst versöhnte er sich mit dem schwerkranken älteren Bruder. Allmählich nahm das Verhältnis zwischen ihnen eine glückliche Wendung, weil der Ältere als