抄録
Adorno stellt sich in seinem Aufsatz über Ravel die Möglichkeit vor, daß dieser im Bereich des Infantilismus mit Hofmannsthal zusammentreffe. In der Kinder-Imago Ravels erblickte Adorno "die aristokratische Sublimierung von Trauer“. Bei Ravel wirkt die Krise des poetischen Impressionismus, wie Adorno zeigt, akut als Infantilismus, aber dadurch konnte Ravel die Krise überwinden. Diese Einsicht Adornos interessiert uns, weil er im geistigen Wert der kindlichen Unschuld eine wesentliche Bedeutung für das moderne schöpferische Wollen fand.
In der Traumwelt, in die uns Hofmannsthals Lyrik ruft, geht die innere Zeit des Gedichtes auf die Vergangenheit zurück. Die Absicht des Dichters ist dabei mittels Rückerinnerung die unschuldige Seele zur ewigen Imago zu stilisieren. Kurz, er ahnt in der Sphäre der kindlichen Unschuld Spiegelungen der realen Welt. Hofmannsthal begründete sein dichterisches Ich durch einen Infantilismus mit der Intention, die Welt traumhaft zu machen.
Der unschuldige Zustand scheint für den Dichter etwas Ironisches zu sein, denn er macht sich mit dem Ego zu schaffen, solange man sich dessen als eines geistigen Wertes bewußt wird. Sich solcher Ironie gegenüber zu sehen, das wäre doch der ursprüngliche Drang zur Lyrik. Wenn Hermann Broch in seinem Essay über Hofmannsthal sagt: "Dichtung ist Traum, aber einer, der sich seines Träumens immer wieder bewußt wird und darob zum Traumlächeln werden kann“, so zeigt diese lakonische Formulierung den Umstand an, daß sich die Ironie des Ego zum Traum sublimiert. So in den Versen: "Da sieht er/Die Gassen, hört die Brunnen rauschen, …“ (Erlebnis). Da spiegelt sich das erwachsene Ich im kindlich unschuldigen Auge, nämlich: die Tiefe dieser Verse entsteht, wo "Traum“ und "Bewußtsein“ zusammenfallen.
Das lyrische Gedicht Hofmannsthals macht einen Eindruck wie eine dem Traum gemäße Schmiegsamkeit, und zugleich finden wir darin den festen Kern-eine Art ästhetische Aufforderung, die unser Bewußtsein weckt. Bei dieser Erfahrung nehmen wir wahr: In der Bilderwelt Hofmannsthals erscheint die Beziehung zwischen "Traum“ und "Bewußtsein“ in der Gestalt der ironischen Antinomie zwischen "Unschuld“ und "Erkenntnis“. "Gerechtigkeit“, "Das Glück am Weg“ und "Age of Innocence“, alle diese Prosa ist beachtenswert. Zuerst wegen des an sich zwar selbständigen aber humanistisch eindrucksvollen Motivs, daß der unschuldige Zustand der Seele mit dem Verlangen nach Weisheit unvereinbar sei, und ferner deswegen, weil ein solches Pathos erst mit dem hohen und zwar den Gegenstand anziehenden Stil, nämlich mit dem Bewußtseins-Prozeß möglich ist.
In der "Ballade des äußeren Lebens“ scheint das Bild der "tiefen Augen“ der Kinder irgendeinen positiven Wert zu haben, obwohl selbst die kindliche Unschuld auch vergänglich ist. Dabei handelt es sich um folgende Sache: Hofmannsthal erkannte im Kinde einen Dichter. Davon erzählte er so nachdrücklich in seinem Aufsatz über Peter Altenberg (Ein neues Wiener Buch). Nach W. Kraft ist sicherlich dieser Aufsatz "ein Wunder an Reife und Einsicht“, aber wichtig sind mir die Zeilen, wo Kinder zu Dichtern gerechnet werden: "Sich als Kinder zu fühlen, als Kinder zu betragen, ist die rührende Kunst reifer Menschen…Nur Künstler und Kinder sehen das Leben, wie es ist…Sie sind die einzigen, die das Leben als ganzes zu fassen vermögen…“ Diese Idee ist erst dann als eine dichterische Wahrheit zu verstehen, wenn sie sich aus dem