抄録
Der Verfasser untersucht in diesem Aufsatz, ob und inwieweit die Deixis und Perspektivität von gehen/kommen und hin/her sich zwischen dem Neuhochdeut-schen und dem Mittelhochdeutschen unterscheiden, indem er Beispiele aus je zwei Ausgaben des Nibelungenlieds und des Tristan sammelt, in denen das Original parallel ins Nhd. übersetzt sind.
Nach einer Einführung in die Thematik widmet sich der zweite Abschnitt der Definition von Deixis und Perspektivität. Im dritten Abschnitt führt der Verfasser statistisch vor, wie gehen/kommen vom Mhd. ins Nhd. übersetzt wird. Dabei lässt sich feststellen, dass gân in der Übersetzung quantitativ weniger mit dem gleichen Verb gehen übersetzt wird als komen mit kommen. Zudem lässt sich erkennen, dass der Prozentsatz der Beispiele, in denen das originale gân in der Übersetzung mit kommen übersetzt ist (g→k), vor allem beim Nibelungenlied mit einer größeren Häufigkeit auftritt als derjenige für das originale komen mit gehen (k→g). Dies darf als Bestätigung der Bemerkung von Ricca (1993) betrachtet werden, dass die Verwendung des mittelhochdeutschen gân verbreiteter ist als die des neuhochdeutschen gehen. Die konkrete Umgebung von g→k, d.h. her+gân→kommen, die kausative Konstruktion g→k und die Konstruktion des Verbs des Sehens g→k, die Ricca (1993) angibt, werden als statistisch markant angegeben, wobei die letzten zwei Konstruktionen allerdings nur im Nibelungenlied, im Tristan jedoch kaum zu beobachten sind. Der Verfasser weist mit dem narrativen Teil darüber hinaus noch auf eine weitere Umgebung von g→k hin, wobei aber im Fall von Tristan die umgekehrte Richtung k→g fast ebenso häufig zu beobachten ist.
Der vierte Abschnitt führt vor, dass sich die Deixis vom simplen hin/her nicht verändert zu haben scheint und ungleich zu gehen/kommen eine Veränderung der Perspektive in den Übersetzungen, d.h. hin→her bzw. her→hin, nicht zu beobachten ist. Dagegen wird statistisch vorgeführt, dass die Verwendung von hin/her, insbesondere in der Form der Doppelpartikeln wie hinein/heraus im Nhd. mit größerer Häufigkeit vertreten ist als im Mhd. und ferner, dass es in den Originalen hin/her gibt, die wegen des Reimes verwendet sind, weil die Partikeln hin/her in den Übersetzungen an manchen Stellen weggelassen werden und nur die simplen gehen/kommen in der Übersetzung vorkommen. In der Arbeit stellt sich zudem heraus, dass das Hinzufügen von hin/her in den Übersetzungen wie în→hinein, wie sie Latzel (1979) und McIntyre (2001) beobachten, überwiegend in Tristan-Übersetzungen auftreten. Anhand des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) folgt eine statistische Untersuchung der Deixis der Doppelpartikeln des Neuhochdeutschen und die abgekürzte Form von her, nämlich die r-Form. Am Ende des Aufsatzes wird angemerkt, dass sich zwar die Deixis von gehen/kommen und hin/her verschieden entwickelt hat, dass aber beide Entwicklungen durch die Sprachökonomie verursacht wurden.