ドイツ文学
Online ISSN : 2433-1511
最新号
選択された号の論文の26件中1~26を表示しています
特集:文芸公共圏
  • 西尾 宇広
    2020 年 160 巻 p. 1-10
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
  • Das Fallbeispiel der Mystikerinnen Margaretha Ebner, Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg
    Yuko KATAYAMA
    2020 年 160 巻 p. 11-29
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Laut Jürgen Habermas kannte das Mittelalter noch keine Öffentlichkeit, die sich von der herrschenden „repräsentativen“ Öffentlichkeit absetzte. Demgegenüber wird hier die europäische Frauenmystik als eine Öffentlichkeit behandelt, die sich zur herrschenden Ordnung des christlichen Mittelalters kritisch verhielt. Bereits die Äußerung eigener religiöser Erfahrungen durch Frauen widersprach der institutionalisierten Ordnung der katholischen Kirche; ihre Aussagen und Verhaltensweisen wichen zudem von den kirchlichen Dogmen und Ritualen ab. Um Texte und Briefe der Mystikerinnen herum bildeten sich dennoch Kommunikationszusammenhänge, die man als eine eigene „Öffentlichkeit“ von teils erheblicher Breite ansehen könnte. Diese Abweichung von der herrschenden Ordnung wurde zugleich gerade nach dem Modell der herrschenden Ordnung legitimiert, nämlich im Sinn einer „repräsentativen“ Öffentlichkeit: Die Abweichung rechtfertigte sich durch den unmittelbaren Bezug auf Gott und seinen Befehl als höchste Autorität, die sogar von den Institutionen der Kirche lediglich vertreten wurde. Soweit die mystische Erfahrung einer Frau durch die „Gnade“ Gottes gegeben war, wurde sie potentiell der kirchlichen Ordnung ebenbürtig, die ebenfalls sozusagen „von Gottes Gnaden“ bestand. Die dafür entscheidende Authentizität des mystischen „Erlebens“ als eines von Gott verursachten Geschehens wird hier mit Hilfe der Beobachtungstheorie Niklas Luhmanns analysiert, um die Selbstdarstellung der Mystikerin, ihre Rezeption durch ein Publikum und die Verschränkung zwischen beiden Seiten zu beschreiben, auf der ein erfolgreicher mystischer Diskurs im Mittelalter beruhte. Um verschiedene mögliche Konstellationen zwischen der kritischen Öffentlichkeit der Frauenmystik und der herrschenden Öffentlichkeit von Kirche und Klerus aufzuweisen, werden als Fallbeispiele die drei deutschen Mystikerinnen Margaretha Ebner, Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg betrachtet.
  • ヴィーラントのコスモポリタニズムと市民的公共圏
    菅 利恵
    2020 年 160 巻 p. 30-44
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      In der Beschreibung von Jürgen Habermas über die Entwicklung der bürgerlichen Öffentlichkeit wird eine bestimmte Funktion des Begriffs „Mensch“ hervorgehoben. Einerseits war das bürgerliche Subjekt, das sich in der Zeit der Aufklärung hauptsächlich als Hausvater und Eigentümer zeigte, in die bürgerlichen Verhältnisse und Wirtschaftstätigkeiten tief einbezogen, so dass es unleugbar ist, dass es ein Vertreter der bürgerlichen Interessen war. Anderseits verstand es sich aber auch als reiner „Mensch“, der von den partikulären Interessen des bestimmten Standes befreit ist, und auch von äußerem Zweck jeder Art emanzipiert ist. Die Selbstdarstellung des bürgerlichen Subjekts als reiner „Mensch“ spielte nach Habermas eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der bürgerlichen Öffentlichkeit, indem sie den bürgerlichen Behauptungen den Schein des Allgemeinen erteilte.
      Habermas erläuterte, wie die entfalteten Darstellungen der intimen Beziehungen in der Literatur der Empfindsamkeit für das bürgerliche Subjekt als Medium fungierten, um sich als reiner „Mensch“ zu verstehen und auszudrücken. In diesem Aufsatz wird versucht zu zeigen, dass nicht nur die Vorstellungen der familiären Intimsphäre, sondern auch der Kosmopolitismus dazu beitrug, den bürgerlichen Intellektuellen damals das Selbstbewusstsein und den Selbstausdruck für eine freie und universale Existenz als „Mensch“ zu ermöglichen. Es werden die Schriften Ch. M. Wielands, der als einer der Hauptvertreter des Kosmopolitismus seiner Zeit gilt, untersucht und versucht, das Verhältnis zwischen seiner Einstellung zur Gesellschaft und seiner kosmopolitischen Haltung, sowie die Bedeutung seines Kosmopolitismus für die bürgerliche Öffentlichkeit zu erläutern.
      Um die Auffassung Wielands von der bürgerlichen Gesellschaft zu begreifen, werden in diesem Aufsatz die Diskurse von Rousseau zum Vergleich herangezogen, mit dem sich Wieland seit den 1760er Jahren mehrfach kritisch auseinandersetzte. Nach Rousseaus Auffassung entsteht die Gesellschaft auf der Grundlage des allgemeinen Willens, der auf das Wohl des ganzen Volks gerichtet ist und von jedem einzelnen freiwillig geteilt wird. Während Rousseau auf diese Weise voraussetzte, dass jeder sich zum verantwortungsbewußten bürgerlichen Subjekt bildet, ließ die skeptische Sicht Wielands auf das Volk es nicht zu, dies als Voraussetzung anzunehmen. Seine Auffassung der bürgerlichen Gesellschaft erlaubt aber einen gewissen Spielraum für denjenigen, der sich mit den allgemeinen Interessen nicht identifiziert. Das verweist einerseits auf seine konservativen Vorstellungen vom „Volk“, ist andererseits aber auch Voraussetzung seiner kosmopolitischen Haltung. In Wielands Texten werden diejenige, die sich von einer bestimmten Gesellschaft bewusst distanzieren, manchmal positiv dargestellt, und werden als „Mensch“ bezeichnet. Der Begriff „Mensch“ wird dabei mit dem Begriff „Kosmopolit“ gleichgesetzt.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • フリードリヒ・シュレーゲルを手掛かりにしたメディア文化史的考察
    二藤 拓人
    2020 年 160 巻 p. 45-61
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Die von Friedrich Schlegel konzipierte Gattung „Fragment“ gehört zu einem modernen Kulturphänomen, dem im Prozess der medienhistorischen Leserevolution seit Mitte des 18. Jahrhunderts (Polenz 1994) die literaturprogrammatische Funktion der Mitteilung zugewiesen wurde. Sie wandte sich ausschließlich an das in eine „geniale“ Intelligenz eingeweihte Lesepublikum. Aus dieser medialen Intention der neuartigen Gattung ergab sich die Trennung zwischen einem kleinen intimen Kreis genialer Künstler und dem allgemeinen Publikum. Dies obwohl das frühromantische Konzept der „neuen Mythologie“ auf die Vereinheitlichung von Esoterik und Exoterik abzielte, die in einem breiteren Kreis die Zugänglichkeit der „Poesie“ ermöglichen sollte. Diese Ambivalenz kennzeichnet nicht nur die Romantik, sondern sie gehört vielmehr zur allgemeinen Tendenz des Zeitalters im Zerfall der Einheit der in Habermas’ Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) herausgearbeiteten bürgerlich-literarischen Öffentlichkeit, deren kritische Betrachtung aus sozialgeschichtlicher Perspektive auch im von Christa und Peter Bürger sowie Jochen Schulte-Sasse herausgegebenen Sammelband Aufklärung und literarischen Öffentlichkeit (1980) zusammengestellt ist. Im Blick auf diese nicht nur in sozial-, sondern auch in mediengeschichtlicher Hinsicht zu betrachtende Problematik soll beim vorliegenden Beitrag die Situation der Schreib- und Lesepraxis der zeitgenössischen Publikationskultur anhand von frühesten Texten (1792–1797) Friedrich Schlegels genauer unter die Lupe genommen werden. Erst auf diesem Weg können die bisher kaum beachteten Entstehungsprozesse und -bedingungen des „Fragments“ in Bezug auf den Wandel der literarischen Öffentlichkeit erläutert werden.
      Der komplexe Gebrauch des Wortes „Fragment“ lässt sich in drei verschiedenen Erscheinungsformen feststellen: als in Briefen mitgeschickten Aufzeichnungen, die im Kreis der Frühromantik zirkulierten, als Formulierungen in Überschriften bzw. Titeln und als antike Quellenmaterialien der von Schlegel durchgeführten Forschung.
      Im Briefwechsel zwischen Friedrich Schlegel und seinem älteren Bruder August Wilhelm werden „Fragmente aus Hamlet und Romeo“ (KA 23, 138) oder „Fragmente aus Sh[akespeare]“ (ebd., 266) erwähnt, die sich beide offensichtlich auf August Wilhelms Übersetzungsarbeit beziehen. Da diese fragmentarischen Manuskripte durchaus nicht in die Brieftexte eingebettet, sondern ihnen beigefügt wurden, ist jeder Briefleser bzw. -empfänger berechtigt, dieses Fragment ohne Rücksicht auf die Intention des Autors bzw. Absenders frei und sachlich zu kritisieren. Diese Abtrennung des dem Brief beigefügten Fragments vom Brieftext selbst läuft der im 18. Jahrhundert zu beobachtenden Tendenz des bürgerlichen Lesepublikums zuwider, auf die Habermas (1962) bereits hinweist. Er konstatiert dabei, dass sowohl der intime Briefwechsel als auch die Lektüre einer daraus entwickelten Romanliteratur auf der bürgerlichen Basis der „literaturfähigen und publizitätsbezogenen Subjektivität“ zustande komme. Diese Feststellung unterstreicht im Grunde selbst der Habermas kritisierende Kittler (1980), mit dessen Begriff „Phantasma der Autorschaft“ die Einbildung des Lesers bezeichnet wird, der ein Buch allein und still liest, als wäre es ein an ihn persönlich adressierter Brief. Ein Paradebeispiel dafür ist Goethes Werther-Roman, in dessen Protagonisten sich nicht wenige Leser damals einfühlten.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • シュティフター,シュミットにおける文学の公的課題
    磯崎 康太郎
    2020 年 160 巻 p. 62-77
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Zum Verhältnis zwischen Literatur und Politik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es in der Forschung zwei gegensätzliche Standpunkte: Einerseits spricht Peter Uwe Hohendahl in seiner literaturhistorischen Untersuchung, die sich auf das normative Öffentlichkeitsmodell von Habermas stützt, über Politisierung der Literatur, insbesondere in der politischen Lyrik, die in der Tat durch die politische Reaktion nach 1848 entscheidend geprägt wurde. Daraus ergebe sich „der institutionelle Charakter der Literatur“ zwischen 1850 und 1870, der vor allem an der Literaturkritik des Grenzboten-Kreises deutlich wird. Gegenüber der Auffassung Hohendahls, der das Ereignis der politisierten Literatur als produktiv bezeichnet, weist Dieter Breuer in seiner Monografie über die Geschichte der Zensur darauf hin, dass sie nach ihrer vorübergehenden Abschaffung im Zuge des Vormärz in den 1850er Jahren bald wieder aufgekommen und entsprechender politischer Druck auf einzelne Autoren ausgeübt worden sei, deren Freiheit somit wiederum direkt oder indirekt stark eingeschränkt wurde. Bemerkenswerterweise jedoch machen gerade diese gegensätzlichen Perspektiven bewusst, in welchem hohen Ausmaß die politische Bindungskraft auf die Literatur einwirkte. Nicht nur bei Breuer, sondern auch bei Hohendahl erweist sich somit die Politisierung der Literatur als notwendiger Vorgang in der nationalpolitischen Zeit. Literatur bleibe kein Gegenstand der freien öffentlichen Diskussion mehr, sondern werde auf die Bereiche des Freizeitkonsums und der Leserunterhaltung eingeschränkt.
      Der Literaturkritiker des Grenzboten-Kreises Julian Schmidt, der den damaligen „institutionellen Charakter der Literatur“ so gut wie kein anderer vertritt und daher von Hohendahl sehr oft erwähnt wird, übt am österreichischen Autor Adalbert Stifter Kritik. Den harmonischen und idyllischen Momenten, wie sie die literarischen Texte Stifters und auch die sogenannte ‚Dorfgeschichte‘ aufweisen, mangle es an Sinn für soziale Wirklichkeit. Von diesem Standpunkt aus kritisiert er auch Stifters Roman Der Nachsommer. Aber bei der scheinbar idyllischen, unpolitischen Welt seines Romans handelt es sich gerade um eine Strategie, die Zeitkritk zu verdecken. Stifter hatte große Furcht vor der Zensur des Wiener Vormärz, was bei ihm mit der Zeit zu einer Art verinnerlichter Selbstzensur führte.
      Seine Strategie, den Schauplatz sowohl zeitlich als auch räumlich zu verlegen, wendet Stifter nicht nur im Nachsommer an, sondern letztendlich auch, wenn er einen historischen Roman schreibt. Im Roman Witiko, der im 12. Jahrhundert im südlichen Böhmen spielt, werden Handwerker, Bauern und arme Leute im Böhmerwald hinsichtlich ihrer deutschen und slawischen Sitten ausführlich beschrieben. Der Protagonist Witiko legt besonderen Wert auf Individualität und Konsensbildung. Daher ist es den „Waldleuten“ auch erlaubt, wiederholt ihre (im Text sorgfältig wiedergegebenen) Meinungen nicht nur zu äußern, sondern auch nach diesen zu handeln. Das gilt u.a., wenn sie Witiko zu ihrem Anführer wählen. Dieser Prozess der demokratischen Konsensbildung wiederholt sich bei Fürsten und Priestern in den politischen Versammlungen beim Herzog Wladislaw. Dabei verdient besondere Beachtung, dass der Herzog oder der Kaiser des Heilligen Römischen Reiches nach der Konsensbildung der Teilnehmer den Umstürzlern Gnade gewährt. Dies ist auch der Grund, warum sich der Fürst Konrad von Znaim gegen den Herzog stellt, ebenso wie Mailand wiederholt gegen den Kaiser rebelliert.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • 「再現前的公共圏」の復権とユンガー『鋼鉄の嵐のなかで』
    稲葉 瑛志
    2020 年 160 巻 p. 78-92
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      In seinem Buch Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) beschrieb Jürgen Habermas die Entfaltung der „repräsentativen Öffentlichkeit“, die an Status und Attribute der autoritären Person geknüpft ist. Er äußerte die Ansicht, dass im 20. Jahrhundert die Öffentlichkeit angesichts der Auflösung kritischer Publizität in manipulative Werbung verwandelt wurde. In anderer Hinsicht wies Peter Trawny in Die Autorität des Zeugen (2009) darauf hin, dass in den 20er Jahren die Entziehung der Souveränität wegen des Versailler Vertrags und die Schwächung der Demokratie für Unruhe im Deutschland sorgten und dass daher das Verlangen nach politischer Autorität im rechten Diskurs stieg. Besonders in revolutionären und nationalistischen Gruppen von Männern, deren Ziel der Untergang der Republik war, wurde der Dichter zur sakralen Figur des Propheten hochstilisiert. Es wurde also im 20. Jahrhundert die Frage nach der Autorität in der Öffentlichkeit wieder gestellt.
      Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit zu untersuchen, wie Ernst Jünger, ein zunächst unbekannter Schriftsteller, durch seinen Kriegsroman In Stahlgewittern (erste bis dritte Fassung: 1920-24) die Autorität des Autors erlangt. Dabei wurde seine Strategie der Erlangung von Autorität in Hinsicht auf „Selbst-Heroisierung“ im Text und Anerkennung durch die Lesern analysiert.
      Nach dem Ersten Weltkrieg stellten sich einerseits den Historikern, die die Front nicht miterlebt hatten, die schwierige Frage, wie sie die Ungeheuerlichkeiten des Weltkriegs erzählen konnten, da dieser in der Wahrnehmung des Erlebenden eine Katastrophe alles Bisherige übersteigenden Ausmaßes war. Andererseits verbreitete sich der Diskurs, dass nur die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer das „Geheimnis der Front“ kennen konnten. Den von Kriegsheimkehrern geschriebenen Werken wurde auf diese Weise in der Nachkriegsgesellschaft Beglaubigung verliehen.
      In diesem politisch-sozialen Kontext entstand In Stahlgewittern als die retrospektive Bearbeitung der vierzehn vom Autor im Feld geschriebenen Tagebücher. Der Text ist zwar ein von Jünger literarisiertes Werk, aber die Ereignisse werden im Text mit verschiedenen rhetorischen Mitteln als „Wahrheiten“ erzählt und der Autor wird als anerkennenswerter Held stilisiert. Im betreffenden Diskurs der Nachkriegsgesellschaft versuchte Jünger durch den im sachlichen Telegrammstil verfassten Ordensbericht, bezeugte Aussagen seines Bruders und mit der eigenen Unterschrift versehene Fotos das Geschehen an der Front als Heldisches zu inszenieren. Dadurch glaubt ein naiver Leser eine Einheit von Text und Leben zu erkennen. Das heißt also, dass sich Jüngers Text als Versuch sehen lässt, sowohl Fiktion als auch historische Quelle zu sein.
      Dazu beansprucht der Autor im Text die Autorität eines herausragenden, heldischen Offiziers an der Front. Er inszeniert den Ich-Erzähler als ehrenvolle Person, indem er ihn mit den für nationalistische Leser weit verbreiteten Topoi der politischen Kultur Deutschlands umgibt (z. B. „Landsknechtsboom“ oder „Duellkultur“).
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • ヴォルフェンビュッテル・アウグスト公爵図書館は他者に寛容な公共圏を生み出したか
    伊藤 白
    2020 年 160 巻 p. 93-108
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Bibliotheken im Allgemein haben bei der Bildung einer „Öffentlichkeit“ im Sinne Habermas ’ wichtige Funktionen, indem sie nicht nur mit ihrem Bestand die Lektüre aller Teile der Gesellschaft fördern, sondern auch Bücher empfehlen, die Bibliothekare für lesenswert halten. So regte z. B. Gotthold Ephraim Lessing, der Dichter und Denker der Aufklärung und Anwalt religiöser Toleranz, eine öffentliche Diskussion gegen orthdoxe Theologie an, indem er als Leiter der Herzog August Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel einen kosmopolitischen und religiös liberalen Bestand bildete und in der Zeitschrift dieser Bibliothek einen antiorthodoxen Aufsatz des aufklärerischen Philosophen Hermann Sammuel Reimarus mit dem Titel „Fragmente eines Ungenannten“ veröffentlichte. In der Zeit des Nationalsozialismus jedoch wurden die Bibliotheken in Deutschland gleichgeschaltet: Die beiden Berufsverbände der Bibliothekare, nämlich der wissenschaftliche Verein der Deutschen Bibliothekare (VDB) und der öffentliche Verband Deutscher Volksbibliothekare (VDV) , wurden in die Reichsschrifttumskammer des NS-Regimes eingegliedert und Bücher, die auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ standen, wurden sekretiert. Welche Rolle konnte dann eine Institution wie die „Lessing-Bibliothek“ während des Nationalsozialismus einnehmen oder auch nicht einnehmen, um eine alternative, tolerantere Öffentlichkeit zu erzeugen?
      Prof. Dr. Wilhelm Herse, der Direktor der HAB in der NS-Zeit, war einerseits der NSDAP „durchaus wohl gesonnen“. Andererseits sei jedoch „von irgendwelchen das damals übliche Maß überschreitenden politischen Aktionen in der Bibliothek“ nichts bekannt. Es sind sogar zwei Fälle bekannt, die wenigstens scheinbar gegen das NS-Regime wirkten: Ca. 600 alte Drucke in hebräischer Sprache entzog Herse dem nationalsozialistischen Zugriff, indem er ihre Existenz verschwieg. Und er berichtete, dass die in der Bibliothek vorhandene marxistische Literatur „nicht umfangreich“ sei, was den Tatsachen nicht entsprach. Inwieweit sein Verhalten als eine Art Widerstand oder Widerspenstigkeit zu betrachten ist, entzieht sich der Nachprüfbarkeit. Während die bisherige Forschung darin keinen politisch motivierten Widerstandsakt sieht, könnte man daraus wenigstens eine leise Dissonanz zwischen dem NS-Regime und der Bibliothek unter Leitung von Herse heraushören.
      Um diese Hypothese zu klären, sollen hier Herses wissenschaftliche Arbeiten analysiert werden. In seinen sieben Essays über Lessing, die im Lessing-Jahr 1929 und kurz danach geschrieben wurden, erwähnt Herse die Freundschaft zwischen Lessing und Mendelssohn objektiv, schätzt Nathan den Weisen hoch ein und argumentiert sogar gegen das damals oft propagierte Lessing-Bild als Befreier vom französischen Einfluss; er behauptet vielmehr, dass Lessing den französischen Aufklärer Voltaire für „recht gut!“ hielt. In seinen in der NS-Zeit veröffentlichten nationalistisch gesinnten Reden und Essays erwies er sich dagegen zwar als dem Nationalsozialismus „durchaus wohl gesonnen“: In einer Rede über Friedrich Schiller zitierte er dessen Ausspruch „göttlich muss eine Lehre sein, für die so freudig gestorben werden kann“; in einem Essay über Wilhelm Raabe begrüßte er mit dem Zitat „Deutschland, großes Vaterland“ aus Der Chronik der Sperlingsgasse den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, und in einem Artikel „Was ist des Deutschen Vaterland?“ schätzte er sogar die „Rückkehr“ des Sudetenlands ins Deutsche Reich positiv ein. Nach dem Krieg dann schreibt Herse wieder einen Essay über Lessing, in dem er Lessings Liebe zur englischen Literatur schildert.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • 竹岡 健一
    2020 年 160 巻 p. 109-124
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Buchgemeinschaften sind Unternehmen, die exklusiv für Mitglieder überwiegend die Bücher, deren Dauer des Urheberrechtsschutzes abgelaufen ist, oder sogenannte Lizenzausgaben durch ein direktes Abonnement preiswerter als zum Ladenpreis vertreiben. Buchgemeinschaften entwickelten sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg rasch und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland noch rasanter. Sie trugen beträchtlich zur Vermittlung von literarischen Werken sowie zum gesellschaftlich sich weiter ausbreitenden Lesen und auch Erwerben von Büchern bei. Sie werden andererseits jedoch oft kritisch beurteilt. Jürgen Habermas’ Argumentation in „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962), dass die Buchgemeinschaften ein Beispiel für die ‚Destruktion der Öffentlichkeit‘ seien, gilt als eine der zentralen unter den negativen Beurteilungen der Buchgemeinschaften. Es scheint jedoch, als ob Habermas die Buchgemeinschaften unterschätzt habe. So werden im vorliegenden Aufsatz die Ansichten Habermas ’ über die Buchgemeinschaften genau und kritisch überprüft, und dadurch wird die These bewiesen, dass die Buchgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland von den 1950er Jahren bis zum Anfang der 1970er Jahre als Alternative zum traditionellen Buchhandel und als Partner auf dem Buchmarkt eine wichtige Rolle spielten.
      Nach Habermas sei die „Kommerzialisierung der Kulturgüter“ zwar eine Voraussetzung für „das öffentliche Räsonnement“. Aber in der modernen Gesellschaft seien die „Gesetze des Marktes“ den Kulturgütern als „Gestaltungsgesetze“ immanent, und die Erzeugung der Kulturgüter als solche passe sich in „weiten Bereichen der Konsumentenkultur“ der „Absatzstrategie“ an. Diese Situation erklärt Habermas mit „zwei komplementären Erscheinungen“, die den zeitgenössischen Buchmarkt beherrschten. Bei den Taschenbüchern erleichtere ihr niedriger Preis „einer verhältnismäßig kleinen Schicht von gebildeten und bildungsbereiten Lesern“ den Zugang zur „hochqualifizierten Literatur“ ausschließlich „ökonomisch“. Der Inhalt der Taschenbücher bleibe von den „Gesetzen des Massenumsatzes“ unberührt. In diesem Sinne hätten die Taschenbücher eine „emanzipatorische Funktion“. Dagegen werde bei den Buchgemeinschaften die Literatur selbst „auf die Bequemlichkeit und Annehmlichkeit jener Rezeption geringer Voraussetzungen und schwacher Folgen zugeschnitten“. Sie erleichterten den „Verbrauchern aus überwiegend niedrigeren Sozialschichten“ den Zugang zur Literatur vielmehr „psychologisch“. So seien die Buchgemeinschaften ein „Beispiel“ dafür, dass das „sozialpsychologische Kriterium der Konsumentenkultur, die nichtkumulative Erfahrung,“ mit dem „soziologischen Kriterium einer Destruktion der Öffentlichkeit“ zusammengehe. Sie verwalteten ihre Kundschaft ― abseits von der „literarischen Öffentlichkeit“ ― unmittelbar und schlössen den Kreis der Kommunikation. Aber diese Kritik an den Buchgemeinschaften, die von Wolfgang Kaysers „Das literarische Leben der Gegenwart“ (1959) stark beeinflusst war, scheint hauptsächlich in den folgenden vier Punkten nicht immer angemessen zu sein.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • アレクサンダー・クルーゲのレッシング賞受賞演説における〈文芸公共圏〉の理念
    竹峰 義和
    2020 年 160 巻 p. 125-140
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Alexander Kluge wurde 1989 mit dem Lessing-Preis ausgezeichnet und hielt am 25. September des folgenden Jahres in Hamburg anlässlich der Preisverleihung eine Rede mit dem Titel Augenblick tragisch-glücklicher Wiedererkennung. Diese Rede ist trotz ihrer Kürze insbesondere im Kontext der ‚literarischen Öffentlichkeitʻ bemerkenswert. Denn, wie der Titel ihres ersten Teils, „Warum die Öffentlichkeit ein um keinen Preis der Welt verkäufliches Gemeingut ist (Gemeingut = persönliches Eigentum eines jeden von uns)“ deutlich zeigt, geht es darin um die „Öffentlichkeit“. Dieses ist zudem auch das Thema seines mit dem Co-Autor Oskar Negt zusammen verfassten theoretischen Hauptwerks Öffentlichkeit und Erfahrung (1972) ist. Kluges Lessing-Rede lässt sich also als ein Versuch betrachten, sich mit der Problematik der „Öffentlichkeit“ nach 18 Jahren erneut auseinanderzusetzen. Nicht zu übersehen ist, dass Kluge dabei Hannah Arendts Rede zum Lessing-Preis, Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten (1959), wiederholt erwähnt, um die Zusammenhänge zwischen der „Öffentlichkeit“/ „Intimität“ und dem „Poetischen“ zu reflektieren.
      In Öffentlichkeit und Erfahrung wies Kluge als Gegenargument zu Habermasʼ Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) darauf hin, dass sich die „bürgerliche Öffentlichkeit“ auf den „Ausgrenzungsmechanismus zwischen öffentlich und privat“ gründet, und forderte die Neuorganisierung einer „proletarischen Öffentlichkeit“, um den systematisch blockierten „Horizont der gesellschaftlichen Erfahrung“ wiederherzustellen. Dagegen fasst Kluge in seiner Lessing-Rede die „Öffentlichkeit“ als einen durch interaktive Kommunikation gebildeten sozialen Raum, was scheinbar ganz im Einklang mit dem habermasschen Standpunkt steht. Wie Kluge aber anhand des Beispiels der Demokratisierungsbewegung in der DDR hervorhebt, geht es hier vor allem um die „Schwäche der Öffentlichkeit“, die auf zwei Faktoren zurückgeführt wird: Auf der einen Seite fehlt es der „Öffentlichkeit“ im allgemeinen an der „Stärke“, die die zu den „Intimbereichen“ gehörenden „Gefühle“ wie Liebe besitzen können. Auf der anderen Seite wird der Bereich der Produktionsarbeit, der den „zweite[n] große[n] Block der lebendigen Erfahrung“ bildet, im Grunde „privat verfaßt“. Man kann hier vermuten, dass dieses Argument implizit auf Arendts The Human Condition (1958), insbesondere ihre Unterscheidung zwischen dem „Raum des Öffentlichen“ und dem „Bereich des Privaten“ zurückgeht. Während Arendt aber immer den sich die antik-griechische Polis zum Vorbild nehmenden „Raum des Öffentlichen“ bevorzugt und zwischen den beiden Bereichen keine Vermittlungsmöglichkeit sieht, findet Kluge in den „eher schwächer betrachteten Gefühle[n]“ eine entscheidende Funktion, die unentbehrliche Basis der „Öffentlichkeit“ herauszubilden. Nach Kluge soll jede „Öffentlichkeit“ eigentlich von „den privaten Bereichen“ abhängig sein, denn, „für die Erzeugung der öffentlichen Werkzeuge, der Filme, der Bücher und der Diskurse […] ist immer wieder die Rückbeziehung auf die Subjektivität und die Intimität erforderlich“. Dafür sollen die einzelnen Menschen zuerst wie „Schnecken“ in ihre subjektive Innenwelt versinken oder auf der Grundlage von Liebe oder Vertrauen affektive Beziehungen herstellen. Aufgefordert wird also dazu, zwischen der „Öffentlichkeit“ und der „Intimität“ freie Übergänge zu schaffen und damit beide Bereiche dialektisch zu verbinden (View PDF for the rest of the abstract.)
  • トーマス・メレの『背後の世界』
    金 志成
    2020 年 160 巻 p. 141-154
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      „Die vielen Preise für literarisches Schaffen, die heute in der ganzen gebildeten Welt verliehen werden, bezeugen den Glauben der Oeffentlichkeit, Schriftstellern etwas schuldig zu sein.“ – Emil Staigers Rede über Literatur und Oeffentlichkeit, die er 1966 anlässlich der Entgegennahme des Literaturpreises der Stadt Zürich hielt, bezeugte ironischerweise das Gewicht dieses „Glauben[s] der Oeffentlichkeit“, als sie mit der reaktionären Kritik an der Gegenwartsliteratur den „Zürcher Literaturstreit“ auslöste, in dessen Folge der Nimbus des Kritikers Staiger allmählich verblassen sollte.
      Solange sie veröffentlicht wird, kann Literatur nicht unabhängig von der Öffentlichkeit sein, die aber nicht uneingeschränkt mit der Leserschaft gleichgesetzt werden darf. Während letztere sich für den vom Autor geschriebenen Text interessiert, will erstere die Stimme des Autors hören. In diesem Sinne sind die heute in Deutschland veranstalteten Lesungen und Poetikvorlesungen als Teil der literarischen Öffentlichkeit anzusehen, in der sich der Austausch zwischen dem realen Autor und der Öffentlichkeit verwirklichen lässt. Scheinbar gleichgültig gegenüber den Tendenzen postmoderner Literaturtheorie wie der „Tod des Autors“ oder die „Logozentrismus-Kritik“ nimmt in der Öffentlichkeit die Präsenz des Autors immer mehr zu.
      Eine solche Vorstellung von Öffentlichkeit hat aber ihre Grenzen, die offensichtlich werden, wenn man sich einem Autor wie Thomas Melle zuwendet, der wegen seiner bipolaren Störung schon mit dem Betreten des öffentlichen Raums, wie er sagt, „überfordert“ sei. Weil er über die von Habermas vorausgesetzte „kommunikative Rationalität“ nicht verfügt, steht Melle unvermeidlich „alleine in der Ecke“, wenn er aus der Öffentlichkeit nicht gänzlich ausgeschlossen ist.
      Sein jüngstes autobiographisches Werk Die Welt im Rücken (2016), in dem der Autor seine manisch-depressive Erkrankung zum ersten Mal öffentlich machte, lässt sich – so die These – als ein Vorhaben lesen, gewissermaßen in der „Ecke“ der Öffentlichkeit eine „alternative Öffentlichkeit“ bzw. „Gegenöffentlichkeit“ zu konstituieren. Ausführlich rekapituliert wird in diesem Buch jeder dreiste und manchmal auch skandalöse Auftritt des Autors in den öffentlichen Veranstaltungen, was nicht nur sein public image als Schriftsteller schädigte, sondern ihn darüber hinaus zu einer „Gestalt aus Gerüchten und Geschichten“ machte.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
論文
  • 『七つの格言』と『パンと葡萄酒』
    益 敏郎
    2020 年 160 巻 p. 155-170
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      In „Sieben Maximen“ stellt Friedrich Hölderlin die Dichtung in entgötterter Zeit, der es „an großen reinen Gegenständen fehlt“, mittels der Metapher der „Chimäre“, also eines Trugbildes, dar. Doch besitzt diese Metapher noch eine weitere etymologische Bedeutung, nämlich die des Ungeheuers der griechischen Sage, denn in diesem aphoristischen Entwurf ist eine heterogene Struktur konzipiert, die das „Inferieure“, das „Barbarische“ als notwendige Bestandteile enthält. In der bisherigen Forschung, die meist Hölderlins idealistischen Begriff der Dichtung und den Aspekt des Erhabenen akzentuierte, ließen sich die reichen Facetten seiner Werke nicht erschöpfend thematisieren. Der vorliegende Beitrag unternimmt daher den Versuch, anhand des Entwurfs „Sieben Maximen“ und der Elegie „Brod und Wein“ die Theorie und Praxis der vielfältigen Konstruktionen in Hölderlins Dichtung zu untersuchen.
      Hölderlin, der in „Sieben Maximen“ der „Nüchternheit“ einen neuen Darstellungsmodus zuschreibt, geht es nicht nur um Selbstkritik an den Schwächen seiner frühen Arbeiten, die zu einem übermäßig begeisterten Duktus tendierten, sondern auch um die Überwindung der poetologischen Tradition. Denn der Begeisterung, deren Ausdruck beispielsweise bei Bodmer und Breitinger zum poetischen Ideal wurde, setzt Hölderlin die Nüchternheit entgegen. Überdies nimmt er im Nüchternheitspostulat die rhetorische Diskussion aus Longins „Vom Erhabenen“ auf, dessen Begriff des Erhabenen damals philosophisch viel diskutiert wurde. Aber mit der Ablehnung der Periode als rhetorischer Figur geht Hölderlin über Longin hinaus. Statt der Periode, die Longin als Zweck der gesamten Harmonie forderte, postuliert er als poetische Ausdrucksform die „Inversion der Perioden selbst“. Damit meint er nicht nur einen poetischen Stil, der von der normalen Wortfolge abweicht, sondern auch die logische Verkehrung ganzer Perioden, die poetische Strukturen mit vielfältigen Gedanken und Motiven ermöglicht. Die von Longin geforderte Harmonie wird bei Hölderlin auf eine poetische Struktur hin zentriert, die in sich vielfältig unterschieden ist.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • 初期ニーチェにおける教養の構想についての考察
    石橋 諭
    2020 年 160 巻 p. 171-187
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Friedrich Nietzsche kritisierte in der frühen Periode seines Schaffens, in der ersten Hälfte der 1870er Jahre, die Bildungssituation im Deutschland seiner Zeit. Dabei folgte er dem Ideal der ganzheitlichen Menschenbildung und einheitlichen Kultur und nahm das antike Griechentum zum Vorbild. Allerdings verwarf er dieses Ideal in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre wieder. Wegen des Bildungsideals seiner frühen Periode betrachtete die bisherige Forschung Nietzsche jedoch als Wiederhersteller des neuhumanistischen Ideals. Hierbei aber wurden die sozialen Kontexte der Bildungssituation außer Acht gelassen und daher auch Nietzsches Kritik an ihr nicht ausreichend analysiert. Deshalb konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf die genaue Darstellung seiner Kritik an der Bildungssituation, um zu überprüfen, ob sich die Bildungskonzeption beim frühen Nietzsche tatsächlich auf den Versuch, das neuhumanistische Ideal wiederherzustellen, reduzieren lässt. Hierzu wird in dieser Abhandlung die Kritik am deutschen Bildungsbürgertum in Nietzsches früher Schrift, den „Ersten Unzeitgemäßen Betrachtungen“ ausführlich untersucht, das sich nach dem Sieg des Deutsch-Französischen Krieges (1870-71) herausbildet. Da seine Kritik bisher vor allem im Zusammenhang mit dem neuhumanistischen Bildungsideal interpretiert wurde, Nietzsches Anspruch aber darüber hinausgeht, und das soziale Umfeld nicht berücksichtigt wurde, sind viele wichtige Aspekte weiterhin nicht erschöpfend analysiert.
      Nietzsche sieht die Fixierung auf die wissenschaftlich objektiven und historisch geordneten Kenntnisse, die in den 1870er Jahren vorherrschten, als zu einem Selbstzweck verkommen an. Hierdurch habe sich der Mensch von seiner eigenen Kultur entfremdet und eine ganzheitliche Bildung des Menschen sei unmöglich geworden. Aber Nietzsche kritisiert die Konzentration auf Geschichtswissen nicht nur vom Standpunkt des antiken Bildungsideals aus. Für ihn ist auch der Einfluss des sogenannten ‚Bildungsphilisters‛ auf die deutsche Kultur angesichts der sozialen Bedeutung der historischen Bildung überaus negativ. Genau diesbezüglich aber wurden bislang die falschen Kontexte als Voraussetzung für Nietzsches Kritik betrachtet; nämlich die Popularisierung der Bildung und der Untergang des Bürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts. Aber Nietzsche stellt heraus, dass sich unter den gebildeten Bürgern eine Art privilegierte soziale Schicht, ein „Bildungsbürgertum“, bildet. Als Resultat dieser Entwicklung etabliert sich in der neu entstandenen Bildungsschicht die Vorstellung, dass der erreichte Bildungsstand der höchste in der bisherigen Menschheitsgeschichte sei, den Nietzsche mit dem Schlagwort des Bildungsphilisters als Hybris und ideologisch konstruiert entlarven will. Seiner Meinung nach entstand durch die Vorherrschaft des Historismus eine Kluft zwischen dem Inneren und dessen Ausdruck, die alle Bereiche des Lebens in Deutschland betreffe. Nietzsche bezeichnet diese Situation als stilistisches Durcheinander, „ein System der Nicht-Kultur“. Angesichts dieser sozio-kulturellen Struktur polemisiert Nietzsche ferner gegen das Bekenntnis des Bildungsphilisters zu seiner emotionalen Sensibilität – eine Empfindlichkeit, die er als ein typisches Phänomen seiner Zeit ansieht.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • ベンヤミン『1900 年ごろのベルリンの幼年時代』における居住のモティーフ
    田邊 恵子
    2020 年 160 巻 p. 188-203
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Walter Benjamins Kindheitserinnerungsarbeit Berliner Kindheit um neunzehnhundert (1932-1938, Abk. Berliner Kindheit) wurde wegen des fragmentarischen Charakters der einzelnen Stücke als „ein unabgeschlossenes work in Progress“ (Giuriato, 2006) bezeichnet. Bedauerlicherweise wurde diese Arbeit zu seinen Lebzeiten nicht mehr publiziert. Aber es ist eindeutig erkennbar, dass Benjamin seinen Text immer wieder zu veröffentlichen versuchte, weil, wie er meinte, dieser den „tausenden von vertriebenen Deutschen etwas zu sagen“ habe, wenn auch ihm selbst seine schriftstellerische Tätigkeit schon unmöglich gemacht wurde. Diese Abhandlung beschäftigt sich mit der Frage, warum Benjamin trotz der damaligen lebensbedrohlichen Situation an der Publikation der Berliner Kindheitfesthielt und was er seinem möglichen Lesepublikum mitteilen wollte. Dabei spielt der Gestus des „Bewohnen“ eine zentrale Rolle, der das Werk stringent durchzieht.
      Auf der Konzeptionsebene der Berliner Kindheit hingegen dominiert die ‚Kürzungʻ der einzelnen Stücke. Von 1932 bis 1938 versuchte Benjamin nicht die vonhandenen Texte zu vermehren, sondern stattdessen die autobiographischen Informationen in ihnen zu tilgen. Für das Verständnis dieses Umarbeitungsprozesses muss besonders auf den Übergang vom Manuskript zum Typoskript eingegangen werden. Einen wichtigen Anhaltspunkt hierfür liefert ein Notizbuch, das Benjamin während seines Lebens im Exil immer bei sich trug und auf dem er handschriftlich Berliner Chronik (1932) notiert hatte. Benjamin bezeichnete es als „Quartier“, in dem seine Gedanken zu „Gast“ seien. Doch ist das in ihm „[A]ufgenommene“ nur ein vorübergehender Gast, der die Behausung wieder verlassen wird. Erdmud Wizisla weist darauf hin, dass „er [Benjamin]Drucke ›Häuser‹ hätte nennen müssen.“ Während das Quartier eine provisorische Unterkunft ist, dient das Haus dem Menschen zum langfristigen Bewohnen. In Bezug auf die eigentliche Wortbedeutung wäre die Berliner Kindheit somit ein Haus, in dem „die Bilder [Benjamins] Großstadtkindheit“ aufbewahrt werden. Benjamin bezeichnet sich überdies selbst als jemanden, „der selber nicht mehr recht zum Wohnen kommt.“ „Unbewohnbarkeit“ bezieht sich einerseits auf die großstädtische Erfahrung, die von dem unaufhaltsamen scrap & build geprägt ist und die deshalb keine Kontinuität aufkommen lässt. Andererseits aber bietet der unbewohnbare Ort demjenigen ein Zuhause, der selbst andernorts nicht wohnhaft wird. Diese Doppeldeutigkeit der Unbewohnbarkeit verkörpert die Loggia der bürgerlichen Wohnung, in der Benjamin als Kind jene Geborgenheit findet, die andere Teile der Stadt ihm verwehren, da sie als ein Übergang zwischen dem Innen der Wohnung und dem Außen der Stadt einen ‚Zwischenraumʻ eröffnet.
    (View PDF for the rest of the abstract.)
  • 野添 聡
    2020 年 160 巻 p. 204-219
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von Beispielen des althochdeutschen Verbalpräfixes gi- in Otfrids Evangelienbuch dessen Funktion sowie das Verhältnis zwischen dem Präfix ge- (ahd. gi- / got. ga-) und dem periphrastischen Perfekt zu erläutern.
      Dabei wird die These aufgestellt, dass die Präteritum-Form des althochdeutschen gi-Verbs in Otfrids Evangelienbuch den Zustand einer vollendeten Handlung bezeichnet, und somit mit dem periphrastischen Perfekt konkurriert. Dieses Präfix hat im Vergleich mit dem lateinischen Perfekt die gleiche Funktion wie das periphrastische Perfekt (z.B. ahd. gizálta = lat. præcepit „es hat vorgeschrieben“; ahd. hábet gizáltan = lat. locutus est „er hat erzählt“). Zudem lässt sich eine Funktion erkennen, die dem althochdeutschen Plusquamperfekt entspricht (z.B. ahd. gihórtun = lat. audierant „sie hatten gehört“; ahd. firnoman hábetun „sie hatten gehört“).
      Der Untersuchung von Yoshida (1979, 1980) zufolge, führte die Konkurrenz mit dem periphrastischen Perfekt zum Untergang der perfektiven Verwendung des Präfixes ge-. Bis heute hat man aber weder einen signifikanten Unterschied noch eine Gemeinsamkeit zwischen dem Präfix ge- und dem periphrastischen Perfekt zufriedenstellend aufzeigen können.
      In der Forschung finden sich gegensätzliche Meinungen über die Funktion des althochdeutschen Präfixes gi-. Während die Untersuchungen von Dorfeld (1885) und Dahm (1909) davon ausgehen, es habe einen perfektiven Aspekt, lehnt Lawson (1965, 1966, 1968a, 1968b, 1970) diese Auffassung ab. Vor einem Vergleich des Präfixes gi- mit dem periphrastischen Perfekt muss also zunächst demonstriert werden, dass das Präfix gi- tatsächlich einen perfektiven Aspekt besitzt. Dies ist durch den Vergleich seines Gebrauchs in Otfrids Evangelienbuch mit den korrespondierenden Simplex möglich. In der vorliegenden Arbeit werden die althochdeutschen Belege zudem mit ihren lateinischen Vorlagen verglichen und die althochdeutschen Beispielsätze anhand korrespondierender Stellen aus der Vulgata und den Homilien lateinischer Kirchenväter präzise zu erklären versucht.
    (View PFD for the rest of the abstract.)
  • 形容詞をつくる接尾辞を例として
    今道 晴彦
    2020 年 160 巻 p. 220-237
    発行日: 2020年
    公開日: 2021/06/04
    ジャーナル フリー
      Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Analyse der Produktivität adjektivbildender Suffixe im gegenwärtigen Deutschen sowie deren Beziehung zu Textsorten aus der korpuslinguistischen Perspektive. Dabei wird versucht, Antwort auf die folgenden drei Forschungsfragen zu finden:
    (1) Wie zeichnet sich die Produktivität der adjektivbildender Suffixe aus?
    (2) Lässt sich bezüglich der Produktivität der Suffixe eine Differenz zwischen den verschiedenen Textsorten beobachten?
    (3) Welche Eigenschaften lassen sich in denjenigen Suffixen beobachten, die einen Unterschied zwischen den Textsorten aufweisen?
      Hinsichtlich (1) ergibt sich Baayen & Lieber (1991) und Baayen (1993) zufolge, dass die Suffixe je nach Grad ihrer potenziellen Produktivität in vier Ebenen zu klassifizieren sind, wobei die Produktivität bei Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache (2019) als überbewertet aufzufassen ist.
      Bezüglich (2) erweist sich, dass –abel, –är, –haft, –los und –voll insobesondere in wissenschaftlichen Texten, –isch und –mäßig dagegen in Untertiteln von Filmen Verwendung finden.
      Bei (3) lässt sich beobachten, dass sich Suffixe wie –haft in wissenschaftlichen Texten mit verschiedenen Morphemen verbinden, Suffixe wie –mäßig dagegen in Untertiteln von Filmen als Intensifier produktiv Anwendung finden.
      Es wird zudem Hinweis darauf gegeben, dass sich mittels der korpuslinguistischen Analyse ein kritischer Blick auf die bisherige Beschreibung hinsichtlich der Produktivität der betreffenden Wörterbücher eröffnet.
書評
新刊紹介
feedback
Top