ドイツ文学
Online ISSN : 2433-1511
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特集: 社会言語学の射程
  • 山下 仁
    2018 年 156 巻 p. 1-5
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
  • 平高 史也
    2018 年 156 巻 p. 6-23
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
      Im vorliegenden Aufsatz soll das Sprachverhalten von Japanern in Düsseldorf und in Shanghai betrachtet werden. Dabei sollen folgende Aspekte näher beleuchtet werden: 1) Sprachwahl von Japanern, denen je nach Situation und Gesprächspartner mindestens drei Sprachen als Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen, und zwar Japanisch, Englisch und die Ortssprache, 2) Zufriedenheit, die sich durch die Verwendung der ausgewählten Sprache in der jeweiligen Kommunikation ergibt, 3) Verhältnis von Sprachkenntnissen, und -notwendigkeit, Zufriedenheit mit der Kommuni­kation und mit dem Leben vor Ort, und 4) Bedeutung der Ortssprachen und des Englischen für Kinder. Die Daten stammen hauptsächlich aus einer quantitativen Untersuchung, die von 2011 bis 2013 im Rahmen des Projekts zum „language life“ von Japanern in Seoul, Shanghai, Düsseldorf, Madrid und Barcelona durchgeführt wurde. Für die Untersuchung zur Sprachwahl und Zufriedenheit mit der Kommunikation wurden insgesamt 15 Situationen aus vier Bereichen, nämlich privaten, öffentlichen, Berufs- und Erziehungs­bereichen ausgewählt, die Japaner im Ausland oft erleben. Zur Messung der Sprachkenntnisse und -notwendigkeit, Zufriedenheit mit der Kommunikation und mit dem Leben vor Ort sowie der Bedeutung der Sprachen für Kinder wurde die fünfstufige Likert-Skala ausgewählt. Die quantitative Unter­suchung wurde durch Interviews ergänzt, die der Verfasser in Düsseldorf und in Shanghai durchgeführt hat.
     Es hat sich u. a. herausgestellt, dass die Ortssprachen Deutsch und Chinesisch in privaten Situationen wie beim Einkaufen oder im Restaurant sowohl in Düsseldorf als auch in Shanghai oft verwendet werden, während am Arbeitsplatz ein deutlicher Unterschied hinsichtlich der Verwendung des Englischen in den beiden Städten festzustellen ist. Japaner in Düsseldorf verwenden das Englische viel mehr als Japaner in Shanghai. Sowohl in Düsseldorf als auch in Shanghai werden die Ortssprachen am meisten verwendet, etwa bei der Bestellung im Restaurant und Café, beim Einkaufen im Supermarkt und bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Quote der Zufriedenheit mit der Kommunikation jedoch ist in diesen drei Situationen am niedrigsten. Daraus ist zu schließen, dass die Kenntnisse der Ortssprachen von Japanern nicht hinreichend sind. Die Gruppe der Personen mit besseren Deutschkenntnissen in Düsseldorf zeigt bei der Notwendigkeit des Deutschen und bei der Zufriedenheit mit der Kommunikation im öffentlichen Bereich signifikant höhere Werte, während die Gruppe der Personen mit geringeren Deutschkenntnissen bei der Notwendigkeit des Englischen einen signifikant höheren Wert zeigt. Es ist jedoch unklar, ob der höhere Wert bei der Notwendigkeit des Englischen dieser Gruppe auf ihre geringeren Deutsch­kenntnisse zurückzuführen ist, oder ob umgekehrt ihre Deutschkenntnisse deshalb geringer sind, weil sie das Englische notwendig findet und oft im Englischen kommuniziert.
     Hinsichtlich der Bedeutung der Fremdsprachen für Kinder denken Eltern in Düsseldorf, dass sowohl die deutsche als auch die englische Sprache wichtig ist, während Eltern in Shanghai die Wichtigkeit des Englischen nicht so hoch einschätzen.
     Aus der vorliegenden Untersuchung geht hervor, dass das Klischee, für geschäftliche Aktivitäten im Ausland genüge es, Englisch zu beherrschen, für die Japaner in Düsseldorf gilt, aber nicht für die in Shanghai. Geschäfts­partner von japanischen Entsandten in Düsseldorf haben nicht nur mit Deutschen, sondern auch mit Europäern aus anderen Ländern zu tun. Im Gegensatz dazu wird in Shanghai im Geschäftsleben viel häufiger statt des Englischen das Japanische benutzt. Dies ist wohl u. a. auf die guten Japanisch­kenntnisse von chinesischen Mitarbeitern, die Beziehung zwischen japanischen und chinesischen Angestellten und die Ansicht über die chinesische Sprache von Japanern zurückzuführen.
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  • 高橋 秀彰
    2018 年 156 巻 p. 24-41
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
      Helmut Kohl, der von 1982 bis 1998 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war, hat während seiner Amtszeit wiederholt behauptet: „Deutschland ist kein Einwanderungsland.“ In den 1990er Jahren sind aber anhand der hohen Zahl der Einwanderer allmählich Behauptungen erschienen, dass Deutschland als Einwanderungsland betrachtet werden sollte. 2015 wurde endlich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel anerkannt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die Zahl der Einwanderer in Deutschland hat immer weiter zugenommen und im Jahr 2015 ein Rekordhoch mit 2,14 Millionen erreicht, von denen 2,02 Millionen Menschen eine ausländische Staats­angehörigkeit haben. Bei einer Bevölkerung von 82,4 Millionen in Deutschland haben darüber hinaus etwa ein Fünftel aller Einwanderer einen Migrationshintergrund. 6,4 Millionen von ihnen sind aus Gastarbeiteranwerbestaaten wie der Türkei, Italien und Griechenland. Ein Drittel der gesamten Bevölkerung unter 18 Jahren sind Menschen mit Migrationshintergrund.
     Für die Einwanderer in Deutschland ist es unabdingbar, Deutsch zu lernen, um erfolgreich in die Gesellschaft integriert zu werden. 1977 hat die hohe Zahl der Gastarbeiter den Rat der Europäischen Gemeinschaft veranlasst, eine Richtlinie des Rates über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern (77/486/EWG) festzulegen. Bezüglich der Mutter­sprache der Einwanderer wurde dabei darauf hingewiesen, dass „die Aufnahme­mitgliedstaaten in Zusammenarbeit mit den Herkunftsmitglied­staaten geeignete Maßnahmen treffen, um die Unterweisung der genannten Kinder in ihrer Muttersprache und in der heimatlichen Landeskunde zu fördern, damit insbesondere ihre etwaige Wiedereingliederung in den Herkunftsmitgliedstaat erleichtert wird.“ Schon vor dem Erlass dieser Richtlinie war in Deutschland aufgrund des KMK-Beschlusses vom 8. April 1976 der Herkunfts­sprachenunterricht (HSU) für Einwandererkinder empfohlen worden, um ebenfalls die problemlose Wiederein­gliederung der Einwandererkinder in die heimatlichen Schulen zu unterstützen. Wie die oben genannte Richtlinie deutlich zeigt, wurde beim HSU die zukünftige Rückkehr der Lernenden in ihre Heimat vorausgesetzt. Im Laufe der Zeit ist aber festgestellt worden, dass die überwiegende Mehrheit der Einwanderer in Deutschland nicht in die Heimat zurückgekehrt sind und auch nicht zurückkehren wollen.
     Der HSU wird aber weiter fortgesetzt, weil der Erwerb der Muttersprache als eine Voraussetzung für die Beherrschung deutscher Sprachkompetenz erachtet wird, die für eine Integration notwendig ist. Diese Begründung wird von der „Interdependenzhypothese“ von Jim Cummins unterstützt, die besagt, dass die sichere Beherrschung der ersten Sprache (L1) das Lernen weiterer Sprachen erleichtere. Wenn die L1 nicht genug beherrscht werde, entstehe die Gefahr, dass auch die L2 unvollständig bleibe. Für manche Forscher gilt diese Hypothese als empirisch noch unbewiesen. In diesem Zusammenhang wird auch von Befürwortern des HSU behauptet, dass er zum Beispiel ein wichtiger Baustein bei der Förderung von Mehrsprachen­kompetenz sei (Rheinland-Pfalz) und zum sprachlichen Reichtum im Land beitrage (Nordrhein-Westfalen). Der HSU wird auch durch den Konsulats­unterricht ergänzt, in dem Lehrende aus den Ländern der betreffenden Sprachen ohne Beaufsichtigung der Schulämter die Muttersprache und Heimatkunde unterrichten. Allerdings ist von Massenmedien Besorgnis geäußert worden, vor allem nach dem Putschversuch in der Türkei am 15. Juli 2015, weil der Inhalt des Konsulatsunterrichtes von der Politik der Herkunftsländer beeinflusst werden kann.
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  • オストハイダ テーヤ
    2018 年 156 巻 p. 42-59
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
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      Anders als in Japan, wo nur Kinder japanischer Staatsangehörigkeit der Schulpflicht unterliegen, sind in Deutschland alle erziehungsberechtigten Bürger/innen verpflichtet, ihre Kinder zur Schule zu schicken. In den meisten deutschen Bundesländern ist es außerdem gesetzlich vorgeschrieben, schon im Vorschulalter die Sprachentwicklung der Kinder anhand einer „Sprachstandserhebung“ durch Kindertagesstätten (KiTa) oder Grundschulen zu kontrollieren, um bei Bedarf eine frühzeitige Förderung zu ermöglichen. In Nordrhein-Westfalen (NRW) wurde zu diesem Zweck im Jahre 2007 das Sprachstandsfeststellungsverfahren Delfin 4 eingeführt; ein als Spiel aufgemachter Deutschtest, der in der KiTa durchgeführt wurde und an dem alle 4-jährigen Kinder verpflichtet waren, teilzunehmen. Die Leistungen der Kinder wurden von für sie oftmals unbekannten Grundschullehrer/innen nach einem Punktesystem bewertet, und jedes Kind, dessen Sprachentwicklung als nicht altersgemäß eingestuft wurde, bekam jährlich 350 Euro für Förderunterricht in der deutschen Sprache. Im Jahre 2007 schafften es jedoch nur weniger als die Hälfte der getesteten Kinder in der ersten Stufe der Prüfung als „altersgemäß“ beurteilt zu werden, und auch in den darauffolgenden Jahren war die „Durchfallquote“ unerwartet hoch. Dies brachte den bereits in Fachkreisen auf Grund seiner Methodik und Inhalte eher kritisch beurteilten Test nun auch vermehrt in die öffentliche Kritik und im Jahre 2014 wurde das Testverfahren eingestellt. Die Subvention für Fördermaßnahmen in der deutschen Sprache wurde jedoch beibehalten und 2014 wurde ein neues Verfahren eingeführt, bei dem die Erzieher/innen in den KiTas selbst die Sprachentwicklung der Kinder im täglichen Umgang mit anderen Kindern in regelmäßigen Abständen beobachten und dokumentieren müssen.
     Die in NRW gesetzlich vorgeschriebene Beobachtung der Sprachent­wicklung und Kompetenz in der deutschen Sprache, sowie die bei Bedarf obligatorische Förderung, wendet sich an alle Vorschulkinder, also nicht nur an Minderheiten wie z.B. Kinder mit „Deutsch als Zweitsprache“ oder „Migrationshintergrund“. Obwohl das Verfahren hierdurch den Charakter von „Inklusion“ hat, muss es trotzdem auch im Kontext der gegenwärtigen deutschen Integrationspolitik gesehen werden, die den Erwerb der deutschen Sprache als Grundvoraussetzung für angemessene Bildung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sieht. Diese Arbeit versucht einige Aspekte dieses Zusammenhanges zwischen Sprachpolitik und Integrationspolitik zu beleuchten. Dazu stelle ich zunächst das Sprachstandsfeststellungsver­fah­ren Delfin 4 näher vor und diskutiere die Ergebnisse einer Meinungsumfrage, die ich hierzu im Jahre 2011 in den Städten Dortmund, Bochum und Herne mit 36 an der Durchführung des Tests beteiligten Personen durchgeführt habe. Der Schwerpunkt meiner Analyse liegt auf Meinungen der Befragten das Testverfahren als solches betreffend, sowie konkreten Erfahrungen bezüglich der Reaktionen von Kindern und Erziehungsberechtigten mit und ohne Migrationshintergrund. Dann stelle ich das seit 2014 in NRW gültige Verfahren vor und analysiere drei der gesetzlich vorgeschriebenen Beobachtungsmaterialien im Hinblick auf erfolgte Verbesserungen und fortbestehende Probleme. Als Verbesserung ist zu vermerken, dass das jetzige Verfahren nicht mehr auf einem einmaligen Test der Deutsch­kenntnisse, sondern auf einer kontinuierlichen Beobachtung basiert, auch unter Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit und Sprachverhalten von Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. ...
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  • Sabine Randhage
    2018 年 156 巻 p. 60-83
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
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  • Rudolf Reinelt
    2018 年 156 巻 p. 84-98
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
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  • 覚知 頌春
    2018 年 156 巻 p. 99-117
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
    Doon ist ein niederdeutsches Verb, das einen gemeinsamen Ursprung mit dem hochdeutschen Verb tun hat.
    Doon bildet im Niederdeutschen eine periphrastische Form mit dem Infinitiv des Vollverbs [INF + doon], die doon-Periphrase genannt wird. Dieser Beitrag versucht mithilfe von Korpusanaly­sen zu zeigen, dass die doon-Periphrase im Niederdeutschen einen suffix­ähnlichen Charakter hat und auf dem Weg der Grammatikalisierung ist. Um den spezifischen Charakter der doon-Periphrase schärfer zu beschreiben, werden drei Aspekte in Betracht gezogen, die in den folgenden Abschnitten jeweils behandelt werden.
     Hinsichtlich der synchronischen Funktion der doon-Periphrase im Nieder­deutschen wurden in vorangehenden Arbeiten insgesamt vier Funktionen diskutiert. Einerseits wird in Keseling (1968) behauptet, dass diese Periphrase eine Modalitätsfunktion zur Markierung des irrealen Sinns und eine Aspektfunktion zur Progressivmarkierung hat. Andererseits schreibt Rohdenburg (1986, 2002) der doon-Periphrase eine phonologische und eine morphologische Funktion zu, indem die ideale Prosodiestruktur am Satzende gemacht wird und undeutliche Verbformen vermieden werden können. In diesem Beitrag wird versucht, durch eine Korpusanalyse von drei modernen niederdeutschen Romanen alle genannten vier Faktoren genauer zu unter­suchen. Dort lässt sich zwar die Tendenz feststellen, dass es bei den doon-Periphrasen mehr Belege mit den vier genannten Faktoren gibt als ohne diese Faktoren, aber der phonologische und der morphologische Faktor sind häufiger vertreten als die anderen zwei Faktoren. Daraus wird in diesem Beitrag der Schluss gezogen, dass die doon-Periphrase im Niederdeutschen dominant phonologisch und morphologisch gesteuert wird. Dies trifft auch auf das Suffix zu, das schwache Silben nach dem Verbstamm bildet und das Tempus des Verbs markiert.
     Bezüglich der diachronischen Entwicklung der doon-Periphrase untersucht dieser Beitrag, ob die doon-Periphrase im 19. Jahrhundert und heute anders gebraucht wird. Als Ergebnis der Korpusanalyse kann festgehalten werden, dass die doon-Periphrase im Korpus aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich eine andere Verwendung findet als heute. Im 19. Jahrhundert erschien die Periphrase immer im Präteritum und verband sich immer mit schwachen Verben, die ihr Dentalsuffix im Präteritum zum Teil verloren und somit undeutlichere Verbformen hatten als starke Verben. Daher wird in diesem Beitrag die Hypothese aufgestellt, dass der damalige Gebrauch der doon-Periphrase im Niederdeut­schen mit dem Abstieg des Dentalsuffixes zu tun hat.
     Gleichermaßen konstruierte Periphrasen finden sich auch in anderen westgermanischen Sprachen und Dialekten. Dieser Beitrag führt deshalb ergänzend einen Vergleich der doon-Periphrase im Niederdeutschen mit der entspre­chenden Periphrase im Oberdeutschen durch. Zuerst erfolgt mit dem niederdeutschen und dem oberdeutschen Korpus eine Distributionsanalyse beider Dialekte. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die doon-Periphrase im Niederdeutschen mit großer Vorliebe im Nebensatz (1a) erscheint, während die oberdeutsche Periphrase sehr häufig im Hauptsatz auftritt (1b):
     (1a) . . . dat ik . . . maken do. (Niederdeutsche Periphrase im Nebensatz)
     (1b) I tue . . . machen. (Oberdeutsche Periphrase im Hauptsatz)
     Diese nebensatzprivilegierte Distribution der doon-Periphrase bedeutet, dass doon und das Vollverb fast immer in der Reihenfolge [VV → doon] kombiniert sind. Außerdem gibt es einen klaren Unterschied in den Funktionen. ...
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  • Sang Hwan Seong, Sinae Lee, Gou-Yeun Chung, Soojeong Lee, Hee Song, Ch ...
    2018 年 156 巻 p. 118-138
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
論文
  • 児玉 麻美
    2018 年 156 巻 p. 139-154
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
     Die Wendung vom klaren römischen Hügel zum trüben teutonischen Hain wurde im 18. Jahrhundert dadurch hervorgerufen, dass zu der Zeit das Interesse an Ossianischen Gedichten, nordischer Mythologie und altsprach­lichen Literaturdenkmälern gestiegen war. So hat es auch Klopstock in seinen Werken, „Der Hügel, und der Hain“ (1767), „Mein Vaterland“ (1768) und den drei Hermann-Dramen gewagt, sein kulturpatriotisches Streben auf eine nationale Eigenständigkeit der deutschen Literatur auszurichten.
     Dass anschließend im 19. Jahrhunderte die Motive mit heimischem Kolorit wie Hermann der Cherusker, der Harz, überhaupt die Wälder in Deutschland, sehr beliebt waren, bezeugen die Malereien von Caspar David Friedrich. Besonders der Hermann-Stoff und die Kyffhäuser-Legende, in denen geschichtlicher Stoff mit konkreten Orten verbunden wird, zogen die Aufmerksamkeit vieler Dichter auf sich. Während die meisten der Werke, in denen die Landschaft der vergangenen Glanzzeit retrospektiv beschworen wird, viel Begeisterung für die Volkstraditionen und den Wunsch zur staatlichen Einheit Deutschlands enthielten, schrieb Christian Dietrich Grabbe hingegen die patriotische Illusion negativ um. Daraus ergibt sich das Problem, den Dualismus zwischen der menschlichen Geschichte und der Naturwelt in Grabbes Geschichtsdramen ans Licht zu bringen und auf den Unterschied zu seinen zeitgenössischen Natur-Vorstellungen hinzuweisen.
     Bei der Naturmetaphorik in Grabbes Text kann man drei Typen unterscheiden: Einerseits den Vergleich mit der grandiosen Naturmacht in der Figurenrede der charismatischen Herrscher, andererseits die Andeutung der Wechsel­fälle im Kreislauf der Jahreszeiten, und schließlich das Idyll mit biedermeierlicher Stimmung. Weil Grabbe in der Regel als zum Antibieder­meier neigender Dichter bezeichnet wird und seine chauvinistischen Naturdarstellungen meistens im Vordergrund gestanden haben, werden Intimität und Häuslichkeit oft einfach nur für eine das wirkungs­mächtige Subjekt hervorhebende Kulisse gehalten. Es ist aber nicht zu übersehen, dass gerade durch die Verbindung zwischen der zyklischen Natur und dem utopischen Schutzraum der außeralltägliche Heroismus als Hauptthema im Hohenstaufen-Zyklus relativiert wurde.
     In der Tragödie „Kaiser Heinrich der Sechste“ (1829–30), dem zweiten Teil des Hohenstaufen-Zyklus, richtet Heinrich der Löwe seinen Zerstörungstrieb auf das biedermeierliche Kleinbürgertum hin aus. Dabei offenbart sich aber das zu viel Naturmetaphorik aufladende Heldentum allmählich als Anachro­nismus und Theatralik. Dem gleichgültigen Blick der beschaulichen Welt ausgesetzt, tritt der Zusammenbruch der Größenphantasien in eine entscheidende Phase und bietet einen pessimistischen Ausblick, wenn die Vergänglichkeit der politischen Welt der Ewigkeit des Zyklenmodells im Gehöft von „Kaiser Heinrich der Sechste“ und im botanischen Garten von „Napoleon oder die hundert Tage“ (1829–31) gegenübergestellt wird.
     Das mit der germanischen Landschaft vereinte Anführerbild verkommt in den Dramen seiner Spätzeit schrittweise zur Wirkungslosigkeit. Das deutet daraufhin, dass die unendliche Repetitivität der Naturkraft als unveränder­liches Gesetz das ganze menschlich-politische Handeln beherrscht. Der Autor benutzte dabei nicht vehemente Metaphern wie hoch aufragende Gebirge oder tiefe Wälder, sondern die Gartenlauben-Vorstellung.
     Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum 19. Jahrhundert wurde die Landschaftssymbolik in verschiedene Paradigmen umgewertet. Grabbe führt die mit pantheistischer Weltanschauung und Vaterlandsliebe gefärbte Landschaft schließlich auf ein autonomes Naturbild zurück, und erst damit wird sie von ihrer der Religion bzw. der Geschichte zur Folie dienenden Rolle befreit. Diese Gründlichkeit kann man als den extremen Schlusspunkt interpretieren, in den die nationalistische Begeisterung nach dem Erlebnis der totalen Desillusion versank.
  • 稲葉 瑛志
    2018 年 156 巻 p. 155-173
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
      Giorgio Agambens Stasis zufolge ist der Bürgerkrieg nicht einfach ein Krieg innerhalb einer Wirtschafts­gemeinschaft (Oikos), noch lediglich unpolitische Wirren. Vielmehr ist er der Politik dadurch elementar immanent, dass das Private plötzlich politisch wird und sich der öffentliche Raum im Gegenzug entpolitisiert, so dass sich in jedem Menschen der Grad des „Politischen“ zwingend offenbart. Deshalb kann niemand eine neutrale Stellung einnehmen und muss selbst die „Freunde“ von den „Feinden“ unterscheiden. Für Agamben ist der Bürgerkrieg seit der Antike demnach eine „Schwelle der Politisierung“ in Extremsituationen. In einem Staat wie der Weimarer Republik, die ihre Legitimität zu verlieren drohte, beschleunigte er den Prozess der Politisierung des Unpolitischen und wirkte als ein Anlass, das gesamte „Politische“ zu rekonstruieren.
     In seiner Abhandlung »Nationalismus« und Nationalismus (1929) bezeich­nete Ernst Jünger (1895–1998) sich und die revolutionären Nationalisten als „Söhne von Kriegen und Bürgerkriegen“, also nicht nur des Ersten Weltkriegs, sondern auch der folgenden Unruhen in den 20er Jahren. Seine Auffassung der Zwischenkriegszeit basiert auf einer speziellen historischen Auffassung, die unter den radikalen Nationalisten weit verbreitet war. In der historischen Forschung zu den paramilitärischen Organisationen dieser Zeit wird diese Auffassung ausführlich behandelt. Zum Beispiel deutet D. Blasius die Weimarer Republik in seinem Buch Weimars Ende als eine Nachkriegs­gesellschaft, die von Anbeginn mit dem „Bürgerkrieg“ konfrontiert war. Die andauernde Konfrontation mit Gewalt und kriegsähnlichen Zuständen erzeugte die politische Atmosphäre eines latenten Bürgerkriegs. Diese Krise prägte das Bewusstsein der Staatsbürger, indem sie Kriegsängste schürte, und förderte den Abbau der jungen demokratischen Republik. Die Zeitge­nossen sahen in den paramilitärischen Aufmärschen und Straßenkämpfen Indikatoren dafür, dass man sich schon in einem „Bürgerkrieg“ befinde. Nach H. W. Koch waren es gerade junge Menschen mit einer „nationalrevo­lutionären Haltung“, die diese Ängste schürten.
     Im gleichen Jahr wie »Nationalismus« und Nationalismus erschien Das Abenteuerliche Herz. Erste Fassung. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht (1929). Das Buch ist eine Zusammenstellung von Prosastücken, essayis­tischen Betrachtungen, autobiographischen Episoden und Traumbeschrei­bungen. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben allerdings deutlich gemacht, dass man die Texte nicht als einen Bruch mit der voran­gegangenen politischen Publizistik Jüngers verstehen darf und dass Jünger ihre Ästhetik sogar in den Dienst eines erhofften radikalen politischen Umsturzes stellen wollte.
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  • 橋本 紘樹
    2018 年 156 巻 p. 174-191
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
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     Theodor W. Adorno behandelte Heinrich Heine zweimal. Der bekanntere Vortrag ist Die Wunde Heine, der 1956 an dessen hundertsten Todestag vom Kölner Rundfunk ausgestrahlt wurde. Der zweite ist Toward a reappraisal of Heine, den Adorno 1948 an der Universität von Los Angeles auf Englisch vortrug. Hierbei anzumerken ist eine entscheidende Wendung im Leben Adornos, nämlich die Heimkehr nach Deutschland aus dem Exil in den USA, das aufgrund der antisemitischen Verfolgung und des Arbeitsverbots im nationalsozialistischen Deutschland erfolgte. Zu dieser Heimkehr entschloss er sich 1949. Die gesellschaftliche Lage, die Adorno in der BRD vorfand und die grundlegenden Einfluss auf seine Kulturtheorie ausübte, sowie die dama­lige deutsche Heine-Rezeption änderten seine Haltung zu diesem Thema. In der bisherigen Forschung zur Heine-Interpretation Adornos wird diese verän­derte Einstellung kaum berücksichtigt. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit liegt im Herausarbeiten der Intention Adornos, mittels der Heine-Lektüre die zeitgenössische Lage zu kritisieren, zu welchem Zweck beide Vorträge unter den genannten Aspekten verglichen werden.
     Bislang herrschte die Vorstellung vor, dass er sich von der amerikanischen Kultur distanzierte. Allerdings wird in neuerer Zeit seine Konzeption des Versuches, konkrete Kritik an der Kulturindustrie zu üben, hervorgehoben. Schon während seines Exils setzte er sich mit der Unmöglichkeit einer rein geistigen, von den gesellschaftlichen Verhält­nissen unabhängigen Kultur und der Rolle der Kultur im Kapitalismus auseinander. Diese Problematik spiegelt sich im Heine-Vortrag wider, den Adorno in Amerika hielt. Sein Schwerpunkt liegt in der Neubewertung der Gedichte Heines. Dabei fällt auf, dass er die Interpretation Heines aus der jüdischen Perspektive ablehnte. Adorno zufol­ge soll der Gegensatz zwischen Lyrik und Kommerzialismus themati­siert werden. Heine habe aufgedeckt, dass echte Lyrik unter den Bedingungen der Industriegesellschaft unmöglich sei, während er zugleich die Tradition der Lyrik gegen die Zeitläufe zu bewahren versuchte. Bedenkt man, dass der Vortragsort in den USA lag, wo sich der Kapitalismus am schnellsten ent­wickelte, so ist wohl nicht von der Hand zu weisen, dass Adornos Intention eine Kritik an der gesellschaftlichen Lage in den USA war.
     In der BRD dagegen war Adorno mit einem restaurativen geistigen Klima konfrontiert. Seit der Adenauer-Ära dominierten die Kulturkonservativen, die schon vor dem Krieg den intellektuellen Bereich beherrscht hatten, erneut das kulturelle Leben des Landes. Ihre elitäre Berufung auf Kultur und Geist sowie Identifizierung dieser mit der Nation, knüpften an den Antisemitismus der Nazi-Ideologie an. Nach seiner Rückkehr warnte Adorno vor den restau­rativen Tendenzen in der Kultur und versuchte einen anderen, besseren Um­gang mit der Kultur zu konzipieren. Seiner Meinung nach sei die Existenz­möglichkeit der Kultur nur durch Kritik am Aufkommen von Halbbildung gesichert.
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  • 針貝 真理子
    2018 年 156 巻 p. 192-207
    発行日: 2018年
    公開日: 2019/03/31
    ジャーナル フリー
      René Pollesch, einer der brisantesten Regisseure und Dramatiker im deutschen Gegenwartstheater, ist seit 2001 vor allem an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz tätig. Er bemüht sich um theatrale »Widerstands­prak­tiken« in der postfordistischen Kontrollgesellschaft. Denn es waren eben Künstler, die einen postfordistischen Arbeitsstil vorwegnahmen. Dieser Aufsatz behandelt Polleschs Stück »Stadt als Beute« (2001) in der »Prater Trilogie«, das sowohl als Theatertext als auch Inszenierung hochgeschätzt wurde.
     Polleschs Theaterarbeiten gelten als zentral für die Praxis des postdrama­tischen Theaters, dessen Konzept der Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann anhand von Heiner Müller entwickelt hat. Um die Arbeit Polleschs in der Theater- und Literaturgeschichte zu verorten, verdeutlicht dieser Aufsatz zunächst mit einem Vergleich zwischen Müllers »Die Hamlet­maschine« und Polleschs »Stadt als Beute« die Einflüsse von Müllers Arbeit auf Polleschs Textstil. Das wichtigste Merkmal, das beide Theatertexte teilen, ist die Einflechtung des Körpers der Schauspieler in die schriftlichen Texte. Die spielenden Körper tauchen in beiden Theatertexten als Lücken auf: Ohne den Auftritt der spielenden Körper entwickeln die Texte nicht ihre Wirkung.
     In einem zweiten Schritt wird die Aufführung von »Stadt als Beute« analysiert. Die Wohnung, die der Bühnenbildner Bert Neumann auf der Bühne errichtet hat, wird als Nicht-Ort im Sinn von Marc Augé konzipiert. An jenem Nicht-Ort wird gezeigt, wie die Körper und der Ort der Bewohner durch globales Marketing ausgebeutet werden. So werden sie zu einem Teil der globalen Ökonomie. Pollesch ist sich dabei völlig bewusst, dass auch das Theater selbst nicht außerhalb der globalen Ökonomie existieren kann. Er stellt sich somit die Aufgabe, das Theater nicht mehr als Forum oder Spiegel der Außenwelt fungieren zu lassen, sondern das Theater zu einem Ort zu machen, »an dem die Wirklich­keit anders vorkommt«. Auf diese Weise versucht er, »Kunst zu politisieren, und damit das Publikum«. Lehmann zufolge will das postdramatische Theater seine politische Praxis nicht durch die Repräsentation bereits gegebener politischer Ereignisse, Meinungen oder Ideologien durchführen, die zumeist nur als »Bestätigungsritual schon Überzeugter« fungieren können. Das Politische des postdramatischen Theaters kann seine künstlerische Qualität nur dann entfalten, wenn es durch das »Aussetzen« bzw. Unterbrechen »der normierten, rechtlichen, politischen Verhaltensweisen selbst« die im Alltag unsichtbare Regel sichtbar macht.
     Um den Ort, an dem die Wirklichkeit anders vorkommt, und das Politische des postdramatischen Theaters von Pollesch zu beleuchten, ist es unent­behrlich, nach den Orten der darstellenden Körper zu fragen. Obwohl die Darstellenden auf ihre Orte während des Spiels mit »hier« oder »da« verweisen, werden ihre Körper beständig vermarktet und an Nicht-Orte geliefert. Die Amorphie ihrer Orte ist im Wort »Gas« ausgedrückt. »Gas« ist auch der Begriff, den Deleuze wählt um die neue Form der Kontrolle in der »Kontrollgesellschaft« zu beschreiben, eben jene »Unternehmen«, die anders als Fabriken oder Gefängnisse keine Körper mehr einschließen. Die Schau­spieler bei Pollesch, die sich in ihrer Bühnenarbeit tatsächlich postfordistisch verkaufen, werden nicht einseitig kontrolliert, sondern sie benehmen sich gleichzeitig selbst wie »Unternehmen«. Ihr kontrollierendes »Gas« sind hierbei die eigenen Stimmen der Darsteller, die sie sowohl rezipieren, als auch hervorbringen. 
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