Linguisten-Seminar : Forum japanisch-germanistischer Sprachforschung
Online ISSN : 2434-5407
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Passivisch oder modal? – Eine semantische Analyse über die Lesarten der Konstruktion bekommen plus Partizip II
Miho TAKAHASHI
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2020 Volume 2 Pages 43-58

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Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Lesarten-Erschließung der Konstruktion bekommen plus Partizip II (BKPII). Diese Konstruktion kann unter Umständen zwei unterschiedliche Lesarten besitzen: die passivische Lesart und/oder die modale Lesart. In der Literatur, in der über diese zwei Lesarten von BKPII diskutiert wird, werden zumeist Objektdative berücksichtigt (vgl. Reis 1985). Wenn es um freie Dative geht, werden fast ausschließlich Zustandsveränderungsverben behandelt. In dieser Arbeit wird am Beispiel von kausativen Zustandsveränderungsverben (z. B. öffnen und zerbrechen) sowie transitiven Fortbewegungsverben (z. B. fahren) der Frage nachgegangen, welche semantischen Faktoren für die Interpretation von BKPII eine Rolle spielen. Mit den Daten wird vorgeführt, dass ein BKPII aus Kausativa wie öffnen tatsächlich nicht nur passivisch, sondern auch modal gedeutet werden kann, während Kausativa wie zerbrechen ausschließlich in der passivischen Lesart belegt sind. Bei BKPII aus transitiven Fortbewegungsverben sind beide Lesarten möglich. Basierend auf dieser Beobachtung wird argumentiert, dass possessive Verhältnisse zwischen der auf einen Dativ zurückgehenden Subjektperson und dem Gegenstand im Akkusativ für die Interpretation der gesamten Konstruktion relevant sind. Als Schlussfolgerung lässt sich feststellen: Bei einem aufgebauten BKPII dient – sowohl beim Objektdativ als auch beim freien Dativ – eine anhaltende Disposition über den Gegenstand der möglichen modalen Lesart.

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