抄録
Ziel dieses Artikels ist die Vorstellung einer Theorie, die zunächst mit dem Studium der Fokuspartikeln begonnen hat und später auf die Modalpartikeln hin erweitert und fortentwickelt wurde. In den ersten Abschnitten werden einige grundlegende Eigenschaften von Partikeln eingeführt. Sektion 6 beginnt mit der Argumentation, wonach Partikeln keine Adverbien oder sonstigen Adjunkte sind, sondern für die Phrasenstruktur konstitutive funktionale Köpfe. Der zentrale Teil ist Sektion 7, der den syntaktisch-semantischen Teil anhand von Modalpartikeln in W-Fragen entwickelt. Partikeln erscheinen als Köpfe einer Partikelphrase, in der ihr Skopus irreversibel festgelegt ist. Daneben gibt es im Deutschen, aber auch in vielen anderen Sprachen eine parallele Syntax, in der sich die Partikeln mit subsententiellen XPs verbinden können. Die aus dieser Verbindung hervorgehenden „kleinen Partikelphrasen“ sind so etwas wie W-Operatoren oder negative Quantoren. Sie werden entsprechend im Spezifikator der Partikelphrase des Satzes verwaltet und beziehen von dort ihren propositionalen Skopus. Wie in Sektion 8 ausgeführt wird, ergibt sich daraus ein duales System, dessen Teile ideal ineinander greifen. Die scheinbare Komplexität des Systems erweist sich in der hier vorgestellten Dekonstruktion als einfach und schlüssig. Die Theorie kommt mit den Standardannahmen der minimalistischen Syntax aus. Es gibt keine Stipulationen. Der Artikel schließt ab mit einer Demonstration von potentiellen Wortstellungsaporien, die sich in dem vorgeschlagenen System elegant auflösen. Es zeigt sich, dass die hier entwickelte Theorie über Partikeln als funktionale Köpfe den Partikeln eine zentrale Stellung in der Syntax zuweist. Von der früher gelegentlich behaupteten Idiosynkrasie und damit funktionellen Marginalität v. a. der Modalpartikeln kann nicht mehr die Rede sein.