抄録
Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist der philosophische Diskurs der deutschen Romantik aus der post-modernistischen bzw. dekonstruktivistischen Perspektive wieder lebendig erörtert. Die selbst-verdoppelnde autopoietische Bewegung von Selbst bei Friedrich Schlegel und Novalis ist als der Vorläufer der dissémination von Derrida hoch bewertet.
Schelling, der mit Schlegel und Novalis eng befreundet war, ist auch in diesem Zusammenhang erneut thematisiert. Jedoch gibt es zwei gegensätzliche Tendenzen in der postmodernistischen Schelling-Forschung. Eine Seite behauptet, dass Schelling sowie Schlegel und Novalis den Weg zur Postmodernität gebahnt hat; während die andere die Ansicht zeigt, dass der Diskurs von Schelling über das Unbewußte nach der Premodernität tendiert.
Bei dieser Zwiespalt handelt es sich darum, wie man das Schellingsche Argument über die mythologischen Vorstellungen bewerten soll. Schelling geht davon aus, dass das Ich als Subjekt in den mythologischen Vorstellungen die verlorengegangene Einigkeit mit dem Ursprung wieder findet. Die Mythologie spiegelt
zwar das Unbewußte wider, das das menschliche Bewußtsein vorstrukturiert. Nach meiner Ansicht, sehnt sich Schelling nach der Wiedervereinigung mit diesem Unbewußten. Er glaubt, dass sich das Göttliche im Medium der Kunst und
Mythologie vergegenwärtigt. Er neigt dazu, den unsichtbaren Ursprung zu substantialisieren. Es ist zwar schwierig, die Philosophie der Mythologie von Schelling direkt in den postmodernistischen Kontext zu plazieren. Jedoch, wenn man die Gespenster von Marx und die utopische Restbilder von Ernst Bloch als Zwischenglieder in
Betracht zieht, kann man möglicherweise den mythologischen Diskurs von Schelling dekonstruktiv im postmodernistischen Kontext rehabilitieren.