抄録
Am 8. Juli 1924 brachte der Nachwuchsarchitekt Heinz Wichmann (1898-1962)
beim Weimarer Bauhaus die Abhandlung „Neue Ausbildungsmöglichkeiten im
Gartenkunstberuf verbunden mit einer Gartenbaumustermesse“ ein. Für das Bauhaus
war diese Abhandlung ein gewichtiger und ausschlaggebender Appell. Dennoch sind
danach im Bauhaus keine Fortschritte zu beobachten.
In der vorliegenden Arbeit wird die Gartenkunst nicht aus dem Kontext des Bauhaus zu
verstehen versucht, sondern – in Anlehnung an Wichmann – wird über die Geschichte des
modernen Gartens das Bauhaus greifbar gemacht. Das Ziel ist ein besseres Verständnis der
Entstehung der modernen Gartenkunstwissenschaft. Die Gartentheorie des Architekten
Peter Behrens (1868-1940), die Wichmann selbst häufig als Referenz heranzog, spielt eine
tragende Rolle. Ab 1910 stützte sich Behrens stark auf die Kunstwissenschaft von Wölfflin
und Schmarsow (Malcovati: 2015). Daher vertritt er in „Der moderne Garten“ (1911)
die Ansicht, dass die neue Raumgestaltung der Moderne, wie sie sich ein den Garten
mit seinem Körper wahrnehmender Mensch vorstellt, eine Integration darstellt aus der
Bewegung des architektonischen Raums und dem zeitlichen Aspekt der Lebenszeit, der
durch langlebige Bepflanzung ermöglicht wird. In der modernen Gartenkunst entsteht
quasi parallel und substituierend zur „Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen
Disziplinen“ des Bauhaus die „Integration von Garten, Architektur und Natur“.