Diese Abhandlung untersucht den Freiheitsbegriff der Spätphilosophie Schellings und behauptet die gründliche Religiosität unserer Existenz. In seiner Philosophie der Mythologie wird der Mensch unter der Gewalt des realen Prinzips als das unfreie Wesen betrachtet. Dionysos war der allen Völkern gemeinsame Gott, der die Menschen von diesem blinden Prinzip zu befreien versuchte. In der Philosophie der Offenbarung wird die Freiheit als der Gehorsam gegen den göttlichen Willen bestimmt. In diesen beiden Philosophien ist der Mensch nicht mehr der kantischen und fichteschen Selbstbestimmung fähig. Vielmehr lässt der alte Schelling die Setzung des Ichs nach der Wissenschaftslehre Fichtes der Erbsünde entsprechen. Wir brauchen die vermittelnde göttliche Potenz, um sittlich zu sein. Dieser Punkt wird im Vergleich mit Schellings System des transzendentalen Idealismus hervorgehoben, wo Schelling noch die praktische Philosophie Fichtes unterstützte. Auch die häufig erwähnte Freiheitsschrift wird in diese Diskussion einbezogen, um zu zeigen, dass der reale Begriff der Freiheit als das Vermögen des Guten und des Bösen unsere existenziale Freiheit nicht mehr betrifft. Dabei ist das Verständnis der Naturphilosophie Schellings wesentlich, denn das Problem der menschlichen Freiheit ist von der Stellung des realen Prinzips abhängig.