die Deutsche Literatur
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Volume 86
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  • MICHIO IITOYO
    1991 Volume 86 Pages 1-11
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Es ist sehr schwierig, daß wir heute irgendwo im deutschsprachigen Raum mit Gewährsleuten der Voklserzählungen Kontakte aufnehmen, weil Radio, Fernsehen und Veränderungen der Sozialstruktur solche überlieferten Schätze verdrängten. Seit 1974 versuchte ich hauptsächlich in Schwertberg, einer Marktgemeinde im Oberösterreich in Österreich zu leben, intermittierend auch im Jahre 1977, 1985 und 1989-so lange wie möglich, um einige Erzählerinnen dort zu besuchen und zugleich den Alltag in der Gemeinde mitzuerleben. Die alten Erzähler und Erzählerinnen, die ich 1974/75 und 1977 in Oberösterreich und Burgenland persönlich kennenlernte, leben fast alle leider nicht mehr.
    Johann Haunschmidt in Tragwein in OÖ. erzählte 1954 Prof. Karl Haiding drei Schwänke. Kurz vor seinem Tode (1979) brachte Johann Haunschmidt einen jener Schwänke zu Papier, die er im Jahre 1954 Dr. Haiding erzählt hatte. Diese Fassung übergab er dem an Volksüberlie-ferung interessierten Schwertberger Schuldirektor Josef Puchner, der mir im Jahre 1985 das Manuskript freundlicherweise übergab. Es zeigt wohl gleichsam symbolisch die gesunkene Bedeutung mündlicher Erzählüberlieferung auf: die meisten Gewährsleute fanden in ihren späteren Lebensjahren kaum mehr Zuhörer; die "Erzählgemeinschaft“-"Auditorium“-hatte so gut wie zu bestehen aufgehört-auf Grund des allgemein eingetretenen gesellschaftlichen Strukturwandels. -Auch Frau Katharina Schwarz in Schwertberg hinterließ mehrere Hefte mit handschriftlichen Aufzeichnungen gleicher Geschichten. Der Beweggrund hiefür scheint bei Frau Schwarz ein anderer gewesen zu sein als bei Herrn Haunschmidt:
    Frau Schwarz schrieb allem Anschein nach ihre Erzählungen für ihre Familie nieder bzw. für Leute aus ihrer engeren Umgebung. Sie setzt nämlich die Kenntnis lokaler Gegebenheiten voraus. Sie verzichtet voll-ständig auf "Erklärungen“. Ihr Schreibstil ist weder in den früheren noch späteren Aufzeichnungen qualitativ unterschiedlich, die Sprache holperig! Ich konnte Vergleiche anstellen, da ich ein Heft mit Aufzeichnungen im Jahre 1974 von Frau Schwarz persönlich erhielt und nach ihrem Tode ein zweites aus ihrer Hinterlassenschaft an den Sohn. Auch vom Inhalt her sind die Unterschiede unwesentlich.
    Anders hingegen bei Herrn Haunschmidt: bei ihm gibt es auffallende Unterschiede zwischen der "früheren und späteren“ gleichen Geschichte. So ist der Name des "Helden“ anders: dieser heißt "Peter“. (Ursprünglich stand im Mittelpunkt der Erzählung sein Großvater.)-Auch wird die Geschichte nicht mehr im Dialekt wiedergegeben, sondern in der Schriftsprache. Dazu gibt der Schreiber auffallend viele Erklärungen für den Leser. -Es scheint, daß der Schreiber (Erzähler) grundsätztlich nicht mehr den Leuten seines unmittelbaren Bekanntkreises "erzählen“ will, weil er sich dessen bewußt ist, daß er da kaum mehr Gehör finden wird. Er wendet sich daher bewußt an jemanden von "außen“. der noch dafür Interesse zeigt-wie der zitierte Schuldirektor!
    Früher spielten die Erzähler eine wichtige und geschätzte Rolle im Gemeinschaftsleben und die Volkserzählungen wurzelten in einer traditionsreichen Überlieferung. Doch die großen Veränderungen im soziologischen Bereich haben ihnen gleichsam die Grundlage für ihre Funktion entzogen. Was wir heute beobachten können, ist sozusagen der "Selbst-Verfall“ der Volkserzählungen. Sie verschwinden mehr und mehr aus dem Gesichtsfeld, werden wohl in Büchern und Bibliotheken
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  • TAIKAN YAMADA
    1991 Volume 86 Pages 12-23
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
    JOURNAL FREE ACCESS
    Die Geschichten vom Gral, die anscheinend völlig unerwartet zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts und dem Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden, weisen eindeutig änigmatische Züge auf. Es fehlen Dokumente und Belege, die den Hintergrund und die Umstände der Überlieferung näher beleuchten. Viele Belege gingen auch durch die mündliche Überlieferung der Geschichten verloren. Sollte es diesbezüglich Dokumente gegeben haben, so sind sie zurückgehalten, verfälscht oder vernichtet worden.
    In der Ziet um die Jahrhundertwende, die nicht mehr durch eine Atmosphäre der Aufgeschlossenheit, sondern durch eine der religiös-gesellschaftlichen und kulturell-geistigen Unterdrückung gekennzeichnet war, wurde die "Geschichte vom Gral“ nur als mythologisierte überliefert. Mit der Zeit wurde aus dem Mhytos vom "Gral“ ein Märchen, und er wurde nur noch zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Er war lange nicht mehr ein mythisches Moment, ein Symbol des Idealen, geschweige denn ein Gegenstand wirklicher Suche.
    Das Fieber hinsichtlich der Gralssuche in der Gegenwart kann durchaus als ein neues Mythologisierungsphänomen bezeichnet werden; es ist ein Beweis dafür, daß, was gegenwärtig geschieht, unmittelbar mythenbildend sein kann. Dieses Referat betrifft also den Gegenstand mediävistischer Forschung nur am Rande, ich hoffe aber, daß das Verständnis gegenwärtiger Mythologisierungsphänome auch zu einem besseren Verständnis solcher Erscheinungen im Mittelalter ein wenig beitragen kann.
    Wolfram von Eschenbach denkt bei seiner Darstellung des Grals an einen tatsächlich existierenden Kelch, und aufgrund konkreter Hinweise lassen sich Vermutungen hinsichtlich seines Aufbewahrungsortes anstellen. Die Legende um diesen Kelch ist mit der um Glastonbury vergleichbar. Wolfram hat dies aber aus nicht bekannten Gründen verschwiegen. Obwohl er betont, daß der Gral trotz größter Anstrengung unerreichbar ist und an einem unauffindbaren Ort verborgen, ist deutet er selbst auf diesen Ort hin. Dies kann als ein Ablenkungsmanöver angesehen werden, da er seine tatsächliche Absicht zu verschleiern versucht. Auch die Frage hinsichtlich der Vorlage könnte damit in Verbindung stehen. Die Tatsache, daß Wolfram über so viele Kenntnisse verfügt, weist darauf hin, daß ihm außer Chréstiens Werk weitere Quellen zur Verfügung standen. Daß wir keine entsprechenden Belege, ja nicht einmial Spuren davon auffinden können, liegt wahrscheinlich daran, daß die Überlieferung des Wissens mündlich erfolgte. Gerade die mündliche Überlieferung des esoterischen Wissens erfolgte möglicherweise in weit größerem Ausmaß als wir es uns bisher vorgestellt haben.
    Die gnostisch-esoterische Interpretation wie bei Rudolf Steiner, die den Gral als Symbol des gnostischen Wissens ansieht, wird hier nicht ausführlich erörtert, obwohl sie sich heutzutage mehr und mehr durch-setzt. In diesem Fall wird der Gral nur als Symbol des Gesuchten und nicht als Gegenstand der wirklichen Suche an sich betrachtet. Freilich nimmt er als deren Gegenstand in manchen Fällen auch solch esoterische Züge an. Seit Otto Rahn das moderne Mythologisierungsphänomen wieder aufgegriffen hat, scheint das Languedoc das Zentrum der Gralsu-chenden von heute geworden zu sein. Wie in der damaligen Übergangszeit, so scheint auch heutzutage eine neue Sage zu entstehen, die wohl ebenfalls nur als Mythos überleben kann. Das Wort San Graal im Okzitanischen wird als Anagramm Sang Raal (königliches Blut) wiedergegeben und im Sinne einer "Blutlinie“ von David über Salomon, Jesus und die weiteren Nachfahren interpretiert.
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  • SUMIE KOTAKE
    1991 Volume 86 Pages 24-34
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    An der südlichen Außenseite des Wiener Stephansdoms findet man noch heute ein Grabmal, das zu Ehren des Ritters Neidhart errichtet worden ist. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts schloß ein Wiener Schreiber namens Lorenz seine Abschrift des Lucianus-Glossars mit der merkwürdigen Datierung: "Explicit Lucianus per Laurencium scriptorem Wienne scriptus. Anno a translacione Neidhardi in ecclesiam Sancti Stephani Wienne primo.“ Der Schreiber spricht also von einer Wiederbeisetzung d.h. von einer Überführung der sterblichen Überreste einer Person, die die Wiener damals für Neidhart gehalten haben, von irgend einem Ort in das Grabmal am Stephansdom. Daß Lorenz dieses Ereignis zur Datierung des Glossars verwenden konnte, läßt darauf schließen, daß diese Wiederbeisetzung ein recht bekannter und in Wien Aufsehen erregender Vorfall gewesen sein muß. Als das Grab bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1874 geöffnet wurde, fand man in dem Sarkophag nur einen Schädel und einige Knochenüberreste. Das scheint davon zu zeugen, daß hier kein reguläres Begräbnis, sondern tatsächlich eine Wiederbeisetzung, wie Lorenz berichtete, stattfand. Heute werden wir leider nicht mehr feststellen können, wessen sterbliche Überreste durch das Zeremoniell der Überführung und das herrliche Grabmal verehrt worden sind. Sind sie die des Minnesängers Neidhart von Reuental, der zuerst in Bayern am Hofe Herzog Ludwigs I. gedichtet, später in Friedrich dem Streitbaren von Österreich einen neuen Gönner gefunden und etwa zwischen 1180 und 1240 gelebt haben dürfte?
    Nach den zahlreichen historischen Quellen aus dem 15. und 16. Jahrhundert ist damals allgemein angenommen worden, daß der in diesem Grab zur letzten Ruhe Gebettete ein Hofnarr namens Neidhart (Fuchs) im Gefolge Herzog Ottos des Fröhlichen (1301-39) gewesen war. Hat es diesen zweiten Neidhart tatsächlich gegeben? Manche Materialien seit der Mitte des 15. Jahrhunderts teilen die Lebensumstände dieses Hofnarren mit, gleich wie die fiktive Vita des legendären Helden, der in verschiedenen Neidhartschwänken als Bauernfeind erscheint und immer wieder mit den Bauern viele Abenteuer erlebt. Das erweist ihn als ganz fiktive, oder wenigstens halb sagenhafte Person, die aus Vermischung von Wirklichkeit und Unwirklichkeit entstand. Auch ein beschädigtes Relief an der Fußseite des Unterbaus vom Grabmal scheint zu bezeugen, daß der Begrabene mit dem Schwankhelden in enger Beziehung steht. E. Jösts Meinung nach handelt es sich hier um eine Szene aus dem "Bilderschwank“, wo ein Bauer angesichts des Fürsten Anklage gegen Neidhart wegen seiner Untaten erhebt. Ist die Relieffigur des Fürsten als Herzog Otto dargestellt, wenn man in diesem Neidhart die Identität des Hofnarren gesehen hat? Auf den fiktiven Fürsten in den frühen Schwänken ist die Rolle des Gönners übertragen worden, die bei Minnesänger Neidhart Herzog Friedrich zukam. Zwar ist die Residenz des Fürsten in der Regel in Wien, aber sein Name ist unbekannt, weder Friedrich noch Otto. Der Name Otto erscheint zuerst und nur einmal im "Pilz-Salbenschwank“, der allein in der sogenannten Sterzinger Miszellaneen-Handschrift (Anfang des 15. Jahrhunderts) erhalten ist. In den frühen Schwänken können wir kein anderes Zeugnis für die Identifizierung des Fürsten mit Herzog Otto finden.
    Dennoch sind die Neidhartschwänke schon im Zeitalter Ottos in Wien so sehr im Umlauf gewesen und haben eine so breite Popularität erfahren, daß man leicht den Fürsten mit Otto selbst und zugleich auch den Schwankhelden mit irgend einem Neidhartsänger des Wiener Hofs vermengt haben könnte.
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  • YUZO OKABE
    1991 Volume 86 Pages 35-46
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    In dieser Arbeit geht es nicht darum, die im Volk mündlich überlieferten Sagen oder Legenden über Paracelsus (um 1493-1541) zu untersuchen, sondern zu verfolgen, wie der Volksglaube in die hermetisch-kabbalistisch-pansophische Lehre des Reformators der Medizin eingegliedert worden ist. Daß in der paracelsischen Naturforschung die Vorstellung vom "Licht der Natur“ eine besondere Rolle spielt, ist von großer Bedeutung, da sie der modernen europäischen Mystik die neue Bahn brach, nicht nur durch unmittelbare Erleuchtung, sondern vielmehr durch die Erforschung der Geheimnisse in der Natur die Offenbarung Gottes zu erreichen.
    Was Paracelsus' Darstellung der Heilpflanzen betrifft, erhält man den Eindruck, als ob er einfach pharmakologisch beschriebe, für welche Krankheiten jedes Kraut zu verwenden und in welcher Weise die Arznei daraus herzustellen sei. Wenn man aber seine Beschreibung auf den Kontext der Volksmedizin zurückbezieht, läßt sich feststellen, daß er aus der Welt der Volksüberlieferung sehr viel aufnimmt und nicht unkritisch seiner medizinischen Anschauung einverleibt. Wenn er z.B. bei dem Johanniskraut, der Pflanze der Sommersonnenwende, neben der wund- und schmerzstillenden Wirkung auch die Austreibung der Gespenster und bösen Geister erwähnt, übernimmt er zweifellos den Gebrauch der Kräutersammlung zum Johannistag und die Volksheilkunde zu diesem Kraut.
    Nach Paracelsus ist die Natur das zweite Buch der göttlichen Offenbarung, in dem wie in der Bibel der Wille Gottes abzulesen ist. Das Buch der Natur ist mit jedem natürlichen Ding geschrieben, aus dessen äußerer Form und Gestalt innere verborgene Eigenschaften und Kräfte entziffert werden können und sollen. Pflanzensignaturen, die unter dem Volk als uralte Weisheit überliefert sind, geben dem Menschen einen Fingerzeig, daß das betreffende Kraut für ihn ein spezifisches Heilmittel ist. Dic porenähnliche Durchlöcherung in den Blättern des Johanniskrautes ist ein Zeichen dafür, daß es für alle offenen Stellen der Haut wirksam ist. Daß seine Blüten sich zu etwas Blutähnlichem putrefizieren, bedeutet, daß es für Wunden heilsam ist. Merkwürdigerweise erwähnt Paracelsus zwei verschiedene Lebenselixiere, die aus den Blättern der schwarzen Nieswurz, dem Kraut der Wintersonnenwende, hergestellt werden. Aus welcher Überlieferung und Signatur er diese Idee herleitete, ist bis heute ungeklärt.
    Paracelsus' Buch "Liber de Nymphis…“ ist indessen eine ganz neue Quelle für das Märchen geworden, deren Einfluß bis ins 20. Jh. nachgewiesen werden kann. Die Feen als Elementargeister, die in den vier Elementen ihre Wohnung nehmen, sind nach Paracelsus keine Teufel, sondern Zwischenwesen, die dem Menschen ähneln, aber keine Seele besitzen und nur in ihrem Element überleben können. Dichter des 19. Jh. wie z.B. Fouqué interessierten sich dafür, wie z.B. die Nymphe Undine durch Vermählung mit einem Ritter eine menschliche Seele erwarb und sie durch die Untreue ihres Mannes wieder verlor. Aber was Paracelsus eigentlich behaupten wollte, ist vielmehr, daß es in der Welt menschenähnliche Lebewesen gibt, die nicht von Adam abstammen und deren Leiber viel subtiler sind als die menschlichen.
    Im Mittelpunkt der Mystik wie der Devotio moderna oder des Pietismus steht die Seele als inneres Weltall, in dem die Vereinigung mit Gott vollbracht wird. Dagegen geht es bei Paracelsus nicht um die Vernichtung einer äußeren Wirklichkeit zugunsten einer inneren,
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  • MASAFUMI TAKAGI
    1991 Volume 86 Pages 47-59
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    "…eine aussterbende Sprache von größter Schönheit, eine Volkspoesie von höchstem Reichtum, schon Goethe und Herder…“, so schreibt Johannes Bobrowski in seinem Roman >Litauische Claviere<. Es ist bekannt, daß der junge Goethe, angeregt von Herder, im Elsaß Lieder-darunter das berühmte "Röschen auf der Heide“-sammelte und sie diesem übersandte. Damit begann die Reihe der Volkslieder-Ausgaben in deutschsprachigen Ländern (>Des Knaben Wunderhorn< von Achim von Arnim und Clemens Brentano, usf.). Bobrowski deutet in seinem Roman auf diese literaturgeschichtliche Tatsache hin.
    Auch in Japan wird neuerdings die deutsche Volkskunde oder die volkskundliche Literatur intensiv erforscht. Dabei ist es notwendig, anzumerken, daß "schon Herder“ (Bobrowski) in bezug auf das Volkslied die Problematik des Themas der volkskundlichen Forschung anschnitt und wichtige Methoden dazu entwickelte. Im folgenden möchte ich die Grundzüge des Herderschen Gedankengutes über die Volkspoesie (mittels seiner drei Texte->Ossian<-Aufsatz, >Von Ähnlichkeit…< und >Volkslieder<-Sammlung-) in vier Themenkreisen zusammenfassen.
    (a) Über die Mündlichkeit des Volksliedes und die fast entscheidende Rolle des Gehörs. ("Nichts ist stärker und ewiger, und schneller, und feiner, als Gewohnheit des Ohrs“. >Ossian<-Aufsatz)
    (b) Über das Volkslied als "das Archiv des Volks“, worin man "die Denkart des Volks, die Sprache der Empfindung“ kennenlernen kann. (>Von Ähnlichkeit…<)
    (c) Über die poetische Struktur des Volksliedes, die sich in "lebhaften Sprüngen, kühnen Würfen“ typisch zeigt. (>Ossian<-Aufsatz)
    (d) Über die Methode der Sammlung und die Anordnung der Volkslieder, woran man auch die Eigenheit der Herderschen Gedanken erkennen kann. (>Volkslieder<)
    In allen diesen Themenkreisen der Volkslied-Forschung erscheint Herder heute noch als Vorläufer und Anreger, weil er besonders, in der Thematik (d), uns ein Modell für die vergleichende Forschung der Literatur und Kultur vorlegt.
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  • TAKESHI YAMASHITA
    1991 Volume 86 Pages 60-70
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Es ist heute eine verbreitete Meinung daß, "Des Knaben Wunderhorn“ (Wh) ein nationalistischer Versuch gegen Napoleon war Oder wir haben uns daran gewöhnt, Wh im Strom der gegenaufkläarerischen Bewegung seit Herder zu bestimmen. Aber die Sache ist nicht so einfach.
    Die Zusammenarbeit Brentanos mit Arnim war nicht immer so glücklich, wie man heute im allgemein glaubt. Bei der Entstehung des Whs ist es wegen unterschiedlicher Redaktionsprinzipien Brentanos und Arnims zu verschiedenen Problemen gekommen Brentanos Blick ist mehr auf Stoffe der Volkslieder selbst gerichtet, während Arnim mit der Liedersammlung Begeisterung für die nationale Einigung wecken wollte. Für Arnim ist es von großer Bedeutung, Volkslieder zu bearbeiten und zu verbessern, um gegen die aufklärerische Literaturanschauung den künstlerischen Wert der Volkspoesie zu behaupten. Nun, was für eine Bedeutung hat denn für Brentano die Volksliedersammlung?
    Brentano scheint verhältnismäßig ideologiefrei mit seiner Arbeit angefangen zu haben. Aber sein Hauptinteresse besteht nicht darin auf eine genaue philologische Weise die Herkunft eines Wortes oder eines Liedes zu bestimmen und aufzuhellen, sondern darin sie zusammen mit der reichen Einbildungskraft zur literarischen Gegenwart hervorzurufen. Er beschäftigt sich im Vergleich zu Arnim viel treuer mit den Stoffen. Wenn die Vorlagen bestimmt sind, beschränkt sich Brentanos Bearbeitung oft auf orthographische Modernisierungen und metrischen Ausgleich. Er verfolgt die Schönheit der Klänge. Wenn Stoffe, mündlich‘ überliefert sind, bemüht er sich mit kühner Weglassung und Einsetzung der Strophen und oft mit eigener Hinzudichtung um Klarmachung einzelner Motive. Brentano sieht hinter jedem einzelnen Lied, das metrische Verwirrunge und thematische Widersprüche enthält, eine ideale Figur. Sie ist eine künstlerisch vollendete Figur, wenn sie auch naiv und einfach aussieht. Das zeigt, mit was für einem klaren, kritischen Bewußtsein sich Brentano mit Volksliedern beschäftigt.
    Es ist sehr bemerkenswert, daß sich Brentano trotz des Todes seiner Kinder und seiner Frau und trotz der unglücklichen zweiten Ehe mit Auguste ernstlich und ausdauernd mit Wh beschäftigte. Brentano, der mit Menschen und Dingen im Zwiespalt lebte und sick der poetischen Tradition entfremdet fühlte, hegte eine große Sehnsucht nach einer Utopie, wo es keinen Zwiespalt gab. Wh besteht nicht nur aus anonymen Volksliedern, sondern auch aus vielen Gedichten bekannter und unbekannter Dichter zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, und enthält sogar mehrere Dichtungen der Herausgeber, Arnim und Brentano, selbst. Vor der, poetischen Wahrheit‘ ("Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter“) gibt es keinen Unterschied zwischen Volksdichtung und Kunstdichtung. Für Brentano waren die Volksliedersammlung und die Bearbeitung der Vorlagen verzweifelte Anstrengungen, den Bruch mit der poetischen Vergangenheit auszufüllen und sich mit dem wirklichen Leben in Einklang zu bringen.
    Während dieser Zeit verfaßte Brentano außer Wh kaum andere bedeutende dichterische Werke. Die Volksliedersammlung war ihm also eine Art Fahrt durch die Hölle. Bald darauf fing Brentano an, mit seiner eigenen Stimme zu singen. Wh ist nicht nur für die Nachwelt, sondern auch für. Brentano selbst eine unerschöpfliche Quelle der Poesie geworden. "Des Knaben Wunderhorn“ ist buchstäblich ein fruchtbares "Wunder-und-Füllhorn“ geworden.
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  • Schriftliche und mündliche Überlieferungen eines Erzähltypus
    TAKESHIGE TAKEHARA
    1991 Volume 86 Pages 71-84
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    In den Grimmschen "Deutschen Sagen“ (2 Bde, 1816-18) findet sich eine Version des "Traums vom Schatz auf der Brücke“ (I, Nr. 212) etwa folgenden Inhaltes: Ein armer Mann träumt, er solle nach Regensburg auf die Brücke gehen, wo er einen großen Schatz finden werde. Er sucht ihn dort vergeblich, trifft aber während des Suchens einen reichen Kaufmann, der ihm von einem ähnlichen Traum erzählt, nach dem unter einem bestimmten großen Baum ein großer Kessel mit Geld begraben sei. Aber er glaube nicht daran, denn Träume seien Lügen. Der arme Mann geht dagegen hin und findet dort wirklich einen großen Schatz. In diesem Aufsatz betrachte ich auf Grund der Studien von J. Bolte, L. Röhrich usw. den Typus der Schatztraumerzählung, wie er sich in schriftlichen und mündlichen Überlieferungen in Europa und Vorderasien findet.
    In Deutschland wurde die Sage schon früh an der berühmten Regensburger Steinernen Brücke lokalisiert. Die älteste Fassung steht in einer lateinischen Sammlung des 14. bis 15. Jahrhunderts, der "Mensa philosophica“. In Regensburg spielt auch die kurze Fassung, die J. Agricola zu Nr. 623 seiner Deutschen Sprichwörter "Trewme sind lügen“ aus mündlicher Tradition anführt. Diesen Text haben die Brüder Grimm in ihre Sagensammlung übernommen. Agricolas Erzählung hat E. Eyring in Verse gebracht. Der Reim "Brück“-"Glück“ spielt auch in späteren Aufzeichnungen aus dem Volksmund eine Rolle.
    In Deutschland wurde die Sage dann im Vogtland lokalisiert: Der Bauer, der nach seinem Traum zur Regensburger Brücke gepilgert war, wird hier wieder in seinen Vogtländer Heimatort verwiesen. Die Sage finden wir auch in Rheinland-Pfalz. Die Sage "Der Traum vom Schatz auf der Koblenzer Brücke“ z.B., die von K. Lohmeyer 1908 in Birkenfeld aufgezeichnet wurde, erwähnt den Familiennamen des Träumers "Engel“. Lohmeyer konnte ihn mit einer Waldrohdung "Engelsrodt“ aus dem 16. Jahrhundert in Verbindung bringen.
    In der Tschechoslowakei bietet die Sage auch eine regionale Besonderheit: Die Fassung von J. Svátek schreibt die Schatzfindung auf der Prager Brücke einer Verheißung des heiligen Johannes von Nepomuk zu. In den Niederlanden berichtet die Fassung von J. Folgers über einen verschwen-derischen Jüngling zu Dordrecht, den sein Traum auf die Brücke zu Kampen wies und der von dort zu einem Hagebuttenstrauch in Dordrecht zurückverwiesen wurde. In England hat J. Jacobs die Aufzeichnung von A. d. 1. Pryme "The Pedlar of Swaffham“ als Nr. 63 in seine "More English Fairy Tales“ übernommen: Der Hausierer, der einen großen Schatz nicht auf der "London Bridge“, sondern in seinem Heimatort findet, erweist nachträglich seine Würde, indem er eine Kirche neu erbaut. Weitere europäische Varianten werden auch für Litauen, Schweden, Island, Schottland, Irland, Frankreich, Spanien, Ungarn und Griechenland nachgewiesen.
    Trotz aller Verschiedenheiten im einzelnen gehen diese europäischen Sagen auf ein gemeinsames mittelalterliches Original zurück: das französische Epos "Mainet“ über die Jugend Karls des Großen aus dem 12. Jahrhundert. Der älteste seither bekannte deutsche Text stammt aus der niederrheinischen Bearbeitung des "Karlmeinet“, die bald nach 1300 entstanden ist. Am Anfang des Epos steht die Erzählung vom Traumschatz: In Balduch, einem Dorfe bei Paris, wohnten zwei Brüder Hoderich und Haenfrait. Der von einem Zwerg im Traum erhaltenen Anweisung gemäß, er solle auf der Pariser Brücke, Lieb und Leid‘ erfahren,
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  • YOSHIKO NOGUCHI
    1991 Volume 86 Pages 85-95
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Der Begriff des "Märchens“ läßt sich bis heute im allgemeinen immer noch nicht klar definieren. Was ein Märchen ist, wird deshalb von den meisten Leuten verschieden ausgelegt. Das Märchen bekam seinen Namen als Bezeichnung für eine bestimmte literarische Form eigentlich erst, nachdem die Brüder Grimm ihre Sammlung "Kinder- und Hausmärchen“ nannten. Dabei betrachteten sie nur das Volksmärchen als Märchen, das sie sehr deutlich vom Kunstmärchen unterschieden.
    Die Hochschätzung der Volksmärchen bei den Brüdern Grimm geht eigentlich auf Herder zurück, der die Volkskultur ebenbürtig neben die Hochkultur stellte und das natürliche Gefühl des Menschen stark aufwertete, das, wie Herder sagt, in der Zeit der Aufklärung durch die Vernunft unterdrückt worden sei. Er hatte jedoch ein zu gefühlsbetontes Verhältnis zur Natur, so daß für ihn jede Art von Dichtung, die aus echtem Gefühl und tiefer Leidenschaft hervorging, Volkspoesie war. Also auch ein Werk, das man der Kunstpoesie zurechnete. Dieser umfassende Herdersche Begriff der Volkspoesie hat sich dann bei den Romantikern in zwei verschiedene Richtungen entwickelt: in die mehr ästhetisch-literarisch orientierte Richtung von Brentano, Arnim u.a. und in die mythisch volksgebundene, die vor allem von Görres und den Brüdern Grimm vertreten wurde. Diese grundsätzlich unterschiedliche Auffassung des Märchens der beiden Richtungen führte zu einer Auseinandersetzung über den Begriff Volksmärchen zwischen Arnim und den Brüdern Grimm.
    Für die Brüder Grimm ist das Volksmärchen die alte Poesie, die in der "uralten harmonischen goldenen Zeit“ aus dem Volksganzen entstanden sei, während sie das Kunstmärchen als neue Poesie bezeichnen, das in der entfremdeten Gegenwart der "eisernen Zeit“ von "neuen Menschen“ durch eigene Phantasie individuell geschaffen worden sei. Der Verlauf der Geschichte ist für die Brüder Grimm ein Abfallen von jener ursprünglichen Höhe. Dabei muß man berücksichtigen, daß die Zeit, in der die Brüder Grimm lebten, eine Zeit war, in der das deutsche Volk unter der französischen Besatzungsmacht zu leiden hatte. Die jungen Romantiker vesuchten damals, in Erinnerung an die nationale Vergangenheit mit Hilfe der Volkspoesie ein gesamtdeutsches Nationalgefühl zu wecken, anstatt wie bisher die französische Kultur nachzuahmen. Auf der einen Seite scheint die harmonische goldene Zeit für die Brüder Grimm die christliche Urzeit zu bedeuten, in der das Paradies auf Erden noch nicht verloren war, auf der anderen Seite aber scheint sie auf die nicht religiöse, d.h. auf die politische Gegenwart zu deuten, in der ein einheitlicher Staat für das ganze Volk existierte. Die Vorliebe der Brüder Grimm für das mündlich überlieferte Volksmärchen ist so zu verstehen; sehen sie dock im Volksmärchen Jahrhunderte lang erhalten gebliebene Naturpoesie der Urzeit. Diese geschichts-philosophische Interpretation der alten Poesie ist Arnim durchaus fremd. Für ihn ist die Poesie weder jung noch alt und hat überhaupt keine Geschichte. Er betrachtet das Volksmärchen, wie das Kunstmärchen als Schöpfung von konkret fasßbaren Individuen, also beide als Kunstwerk.
    Die Theorie der Brüder Grimm wird jedoch bei der Redaktion ihres Märchenbuches nicht richtig umgesetzt. Obwohl sie immer wieder das quellengetreue Forschungsprinzip betonten, haben sie doch ihre Märchen durch Kombinierung von mehreren Varianten stark umgestaltet. Um diesen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis zu erklären, sollte man von der Motivation der Herausgeber ausgehen.
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  • TOSHIO OZAWA
    1991 Volume 86 Pages 96-113
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Die Brüder Grimm haben ihre Stoffe für die Kinder- und Hausmärchen nicht nur aus mündlichen, sondern auch aus schriftlichen Quellen genom men. Es handelt sich hier um das Bearbeitungsprinzip aus schriftlichen Quellen.
    Die Brüder haben Nr 35 "der Schneider im Himmel“ aus zwei Märchen zusammen gestellt, einmal von Wickram und einmal von Frey. Als die Brüder Grimm, hauptsächlich Wilhelm Grimm, erstmals dieses Märchen in die zweite Ausgabe, 1819, aufnahmen, bildete Wilhelm den Text ausschließlich nach dem Text von Frey. Auch in der dritten Ausgabe, 1836, blieb der Text fast unverändert.
    In der siebten, der letzten Ausgabe finden wir den Text jedoch ausschließlich nach Wickram gebildet. In welcher Ausgabe hat Wilhelm den Text nach Wickram umgestaltet, kann ich noch nicht feststellen, weil ich die 4. 5. und 6. Ausgabe noch nicht prüfen konnte.
    Heute spricht man von "Grimm als Gattung“. Aber wie wir hier und auch bei anderen Beispielen sehen, war Wilhelm bei der Bearbeitungsarbeit nicht ganz fest und sicher. Das Bearbeitungsprinzip Wilhelms muß man noch bei verschiedenen Märchen prüfen.
    Die originalen Texte von Wickram und Frey verdanke ich Dr. Walter Wagner, dem Bibliothekar der Universitätsbibliothek Marburg an der Lahn.
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  • Eine progressive Annäherung an den Cinderella-Stoff
    KAYOKO IKEDA
    1991 Volume 86 Pages 114-125
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Dieser Aufsatz unternimmt einen Vergleich der verschiedenen Fassungen von KHM65 Allerleiraub mit der Absicht, einige Aspekte des Märchenauffassung der Brüder Grimm aufzuzeigen. Im Vordergrund der Untersuchung stehen die Texte der 1. Auflage (1812) und der 7. und letzten (1857). Die anderen Druckfassungen werden nur dann berücksichtigt, wenn Unterschiede zwischen der 1. und 7. Version vorliegen. Aus dem Textvergleich wird ersichtlich, daß die 2. Druckfassung die bedeutendste Änderung mit diesem Märchen aufweist, was übrigens auch durch die Vorrede zu dieser Auflage bezeugt wird.
    Nicht nur der Wortlaut des Allerleirauh-Märchens, sondern auch der Sinn des Textes wird über die verschiedenen Fassungen einen Wandel unterzogen. Veränderungen in Wortlaut können hier nur sehr summarisch angegeben werden: komplizierte Satzstrukturen, sich wiederholende Wortmuster und Dialoge in direkter Rede findet man viel häufiger in den späteren als in den früheren Fassungen vor. Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung einer zunehmenden Literarisierung, wobei die traditionelle "Grammatik des Märchens“ immer weniger beachtet wird. Dabei wird gelegentlich die Schlichtheit oder auch die Konkretheit der 1. Version modifiziert, um den Text dem Zeitgeschmack anzugleichen.
    Änderungen in der Bedeutung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
    Erstens: in die 2. Version werden die Themen des Königtums und Christentums eingeführt, die in der 1. Fassung keine Rolle spielten.
    Zweitens: die Bezeichnung "Bräutigam“ wurde in der 2. Druckfassung getilgt, weil Jakob Grimm die Ansicht vertrat, es sei unnatürlich und unlogisch, einen Vater seine eigene Tochter beheiraten zu lassen, zumal es kein anderes Märchen gebe, das eine inzestuöse Beziehung zwischen einem Vater und seiner Tochter in einem positiven Licht zeige.
    Drittens: in der 2. und allen späteren Auflagen wird der Koch nahezu zum Bösewicht, wogegen er in der 1. die Titelfigur auch freundlich behandelt. Im Gegensatz dazu wird die Grausamkeit des Königs in der 1. Druckfassung in allen späteren ausgesperrt, damit er als makellose Heldenfigur auftreten kann.
    Viertens: Da der König von der 2. Druckfassung an kein "Bräutigam“ und die Titelfigur keine "Braut“ mehr ist, verändert sich die Bedeutung des Enttarnungsmoments grundlegend. In der 1. Version waren die Beiden schon von vornherein als Ehepaar zu betrachten, weil der nur in diesem Text erwähnte Akt des Stiefelausziehens eine in Märchen vorkommende Metapher für den Geschlechtsverkehr ist.
    In der 1. Fassung kommt alles danauf an, daß der König zur Einsicht kommt, daß er die Frau, die er wirklich liebt, doch mißhandelt und mißachtet hat. Von der 2. Auflage an spielt dagegen die Fremdheit dieser schönen Königstochter eine maßgebliche Rolle. Eine Geschichte, die ihre Pointe darin hatte, daß ein Ehemann zum Bewußtsein des von ihm verübten Unrechts gelangt, wird also zum Märchen vom Glückswechsel eines schönen, schweigsamen und gehorsamen Mädchens mittels einer reichen Heirat. Hierin besteht eine deutliche Annäherung an den Cinderella-Stoff.
    In den Märchen aus verschiedenen Ländern, die zum Cinderella-cycle gehören, waren die weiblichen Hauptgestalten durch eine natürliche Fröhlichkeit und einen schärferen Witz gekennzeichnet. Erst die Bearbeitungen des Stoffes durch Perrault und die Brüder Grimm konnten die Thematik des Gehorsams hervorheben, was wohl den Vorzügen und Wertsetzungen einer von Männern beherrschten Gesellschaft entspricht. Dies sollte man wiederum den Grimms nicht als bewußte Absicht unterstellen,
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  • Butt“">Versuch über den "Butt“
    TAKUO SATO
    1991 Volume 86 Pages 126-139
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Nach dem Autor Günter Grass sollte der "Butt“ eigentlich den Untertitel, Märchen‘ tragen. Aus Rücksicht auf den gängigen Märchenbegriff nannte er dieses Werk, das ja über 600 Seiten stark und äußerst komplex strukturiert ist, dann doch nur, Roman‘. Diese Problematik der Bezeichnung signalisiert den problematischen Charakter des Romans selbst. Gerade weil er eines der bekanntesten der Grimmschen Märchen zur anscheinend selbstverständlichen Achse der Entfaltung der Handlung macht und andererseits eine ganze Reihe von geschichtlichen Prozessen (ebenfalls anscheinend selbstverständlich) Gegenstand der Darstellung sind, kommt in diesem Roman sowohl formal als auch inhaltlich das typisch Grass'sche Gefälle zwischen dem Ganzen und dessen Teilen unverhüllt zutage.
    Für Grass bedeutet das Märchen nicht nur eine Gattung der Literatur, sondern es erfüllt für ihn die wesentlichste Funktion der Literatur überhaupt. Es ermöglicht der Wirklichkeit, als ein Ganzes zur Erscheinung zu kommen, indem es ihr wieder zurückgibt, was die sogenannte authentische Geschichtsschreibung von ihr abstrahiert hat, um die eigene In-sich-selbst-Geschlossenheit als ein selbstzweckhaftes System zu bewahren. Das Märchen stellt für Grass den, Doppelboden unserer Realität' dar.
    Im "Butt“ dient das Märchen "Der Fischer un syner Fru“ als, ordnender Faktor'. Diese an sich glückliche Begegnung mit diesem Märchen aber gefährdet Grass ständig mit seiner allzu starken Präsentiersucht. Überall treibt er sein Wesen mit den übermäßigen Details, stellt damit die ganze raffinierte Komposition des Werkes in Frage. Gerade indem der "Butt“ in seiner sozusagen, disparaten Gleichzeitigkeit von Vorgängen' Grass' Geschichtsbild treu wiedergibt, entfremdet er sich sowohl dem Roman als auch dem Märchen.
    Das Eheleben des Ich-Erzählers und seiner Frau Ilsebill ist von der Problematik der gegenwärtigen sozialen Beziehungen zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht geprägt. Vom männlichen Prinzip überfordert, das die Gestalt Butt verkörpert, will der Erzähler von der Geschichte weg wieder zum, Ewig-Weiblichen‘ zurückfinden. Ilsebill strebt aber, Emanzipation‘ an, will jetzt selbst in die Geschichte einsteigen. Er sehnt sich nach weiblichem Schutz und hat immer Angst vor dessen Verlust. Solche prinzipielle Überlegenheit des weiblichen Wesens über das nunmehr, gebrochene‘ männliche ist das Thema der geschichtlichen Episoden des Romans. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle der Frau, als, Köchin‘ der Ernährung vorzustehen. Der reale Ich-Erzähler verwandelt sich in verschiedenen Zeiten in verschiedene Gestalten und erzählt vom Zusammenleben mit der jeweiligen Ilsebill. Aber dieser Verwandlung fehlt jede innere Notwendigkeit. Hier mißbraucht Grass das dem Märchen eigene Handlungsschema.
    Entscheidend für die Struktur des "Butt“ ist, daß die Handlung jedes Kapitels in Umrissen schon im ersten Kapitel angekündigt wird. Die Aufgabe der folgenden Kapitel besteht deshalb darin, diese ihnen zugewiesenen Handlungen in je ihrer Weise zu inszenieren, nicht die Handlung des ersten Kapitels organisch weiterzuentwickeln. In diesem Sinne bilden die neun Kapitel des "Butt“ die Monaden, in denen sich das obenerwähnte gleiche Schema in verschiedenen Variationen wiederholt. Diese angeblich geschichtliche Welt, in der keine geschichtliche Zeit abläuft, kann grundsätzlich keinen Roman abgeben. Dieser Grundmangel des "Butt“ als Roman läßt sich darauf zurückführen,
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  • MIDORI KONO
    1991 Volume 86 Pages 140-147
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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  • Neue Konzepte der Internationalen Ästhetik in der Literaturwissenschaft
    WOLFGANG RUTTKOWSKI
    1991 Volume 86 Pages 148-156
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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  • MAKOTO ITOH
    1991 Volume 86 Pages 157-166
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
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    Der Phraseologismus ist eine feste, mehrgliedrige Wortverbindung mit folgenden Eigenschaften: 1) die Gesamtbedeutung der festen Wortgruppen entspricht nicht der Summe der Einzelbedeutungen, die in einer freien Wortverbindung realisiert werden können (Idiomatizität). 2) Im Unterschied zu freien Wortverbindungen sind bei Phraseologismen die jeweiligen Bestandteile nicht einfach austausch-oder umstellbar (Stabilität). 3) Der Phraseologismus wird als fertige lexikalische Einheit reproduziert und in der Funktion eines Einzelwortes gebraucht (Reproduzierbarkeit). Diese Eigenschaften sind alle spezifisch für den Phraseologismus, aber sie haben auch einige Probleme. Neben Idiomatizität, Stabilität und Reproduzierbarkeit wird eine weitere wichtige Eigenschaft zur Charakterisierung von Phraseologismen betont. Phraseologismen einer jeden Sprache sind -mehr als die anderen Bereiche des Wortschatzes-mit dem kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund des betreffenden Volkes verbunden. Und die auf diesen Hintergrund bezogene metaphorische Bedeutung spielt in den Phraseologismen eine große Rolle. Phraseologismen sind nämlich von außersprachlichen Faktoren stark beeinflußt, und darin liegen die Schwierigkeiten der linguistischen Phraseologieforschung. Aber zwischen dem Phraseologismus und freier Wortverbindung bestehen folgende wichtige Gemeinsamkeiten: Phraseologismen werden mit demselben Wortschatz und meistens nach derselben syntaktischen Struktur gebildet wie freie Wortverbindungen. Und zwischen der phraseologischen Struktur und der Bedeutung besteht eine gewisse Regularität. Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten wendet man in der letzten Zeit vom linguistischen Standpunkt her Untersuchungen zur Phraseologie viel Aufmerksamkeit zu.
    Unter anderem ruft die Modellierung der Phraseologismen ein ständig wachsendes Interesse der Linguisten hervor. Der Modellbegriff in der Phraseologie unterscheidet sich aber von dem in anderen Bereichen dadurch, daß es sich bei der Phraseologie nicht um produktive Modelle der Generierung, sondern nur um Modelle der Beschreibung handelt. Das heißt, man kann nach den Modellen keine neuen Phraseologismen frei bilden (generierendes Modell), sondern sie stellen nur sprachliche Tatsachen fest und erklären die bestehenden Regularitäten (deskriptives Modell). Bei der Aufstellung des deskriptiven Modells geht es um die Beziehungen zwischen der phraseologischen Struktur und der Bedeutung.
    In dieser Arbeit wird versucht, deskriptive Modelle für einzelne Phraseologismen aufzustellen und die dabei gegebenen Regularitäten zu klären. Als Beispiele werden Phraseologismen mit den Verben "geben“ (68 Belege) und "bekommen“ (40 Belege) gewählt. Die beiden Verben sind sehr häufig in Phraseologismen gebraucht. Die beiden Phraseologismen haben fast gleiche Modelle. Nach ihren semantischen Eigenschaften (negativ oder positiv) werden diese Phraseologismen klassifiziert. Aus der Untersuchung ergibt sich, daß die beiden gewählten Phraseologismen meistens negative Bedeutung haben: "geben“ zu 48.5%, "bekommen“ zu 67.5%. Unter anderem haben bei den "bekommen“ Phraseologismen alle Strukturmodelle meistens negative Bedeutung. In den Phraseologismen, die einen negativen Wert bezeichnen, haben "eins auf die Birne geben/bekommen, eins auf die Nase geben/bekommen, eins hinter die Ohren geben/bekommen“ usw. eine sehr ähnliche Struktur und Bedeutung; so könnte man
    "eins+Präp. (auf/hinter)+et.+geben/bekommen“
    als ein Modell mit negativer Bedeutung aufstellen.
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  • Die neu zu entdeckende hymnishe Spätdichtung bis 1806
    [in Japanese]
    1991 Volume 86 Pages 167-170
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
    JOURNAL FREE ACCESS
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  • [in Japanese]
    1991 Volume 86 Pages 170-172
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
    JOURNAL FREE ACCESS
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  • [in Japanese]
    1991 Volume 86 Pages 173-175
    Published: March 01, 1991
    Released on J-STAGE: March 28, 2008
    JOURNAL FREE ACCESS
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  • 1991 Volume 86 Pages 288a
    Published: 1991
    Released on J-STAGE: January 30, 2009
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  • 1991 Volume 86 Pages 288d
    Published: 1991
    Released on J-STAGE: January 30, 2009
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  • 1991 Volume 86 Pages 288c
    Published: 1991
    Released on J-STAGE: January 30, 2009
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  • 1991 Volume 86 Pages 288b
    Published: 1991
    Released on J-STAGE: January 30, 2009
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