Zu der Zeit der Republik organisierten sich die Anwohner jedes compitums in Rom als ein collegium und pflegten unter vicomagistri den Kult der Lares Compitales. Die collegia der Larenanbeter gingen aller Wahrscheinlichkeit nach wahrend des Burgerkriegs nach dem Tod Caesars zugrunde. Seit ungefahr 12v. Chr. fing ein Teil der Bewohner in Rom an, den alten Larenkult zu erneuern und wieder vicomagistri zu erwdhlen. Die Bewegung kann zwar mit der religiosen Atmosphare der damaligen Zeit, z. B. der Ernennung des Augustus zum pontifex maximus, in Zusammenhang gestanden haben, den AnlaB Verdankte sie jedoch, wie es scheint, nicht der Politik des Herrschers, sondern der spontanen Willen der stadtischen Bevolkerung selbst. Augustus versuchte dann im J.7v. Chr. aus AnlaB eines Brandes den Vicomagistrat in der ganzen Stadt einzufuhren, indem er die Stadt in 14 regiones und 365 vici einteilte und jedem vicus ein collegium von 4 vicomagistri voranstellte. Bei dieser Reform handelte es sich primar um die Verwaltung der Stadt, vor allem die Neuordnung des Feuerwehr- und Polizeiapparates, aber da die vicomagistri der republikanischen Zeit eigentlich die Trager des Larenkultes waren, muBte die Politik des Augustus, den Vicomagistrat wiederherzustellen, von einem Wiederaufleben des Compitalienkultes begleitet werden. Es wird oft behauptet, daB Augustus damals auch die Umgestaltung des Compitalienkultes durchfuhrte. Es besteht aber zu solcher Annahme kein Grund. Wir haben vielmehr allen Grund zu glauben, daB der Genius Augusti zuerst im privaten Kult der niedrigeren Schicht der Gesellschaft den Lares beigesellt wurde, und die Trias der beiden Lares und des Genius des Herrschers dann erst spater offiziell anerkannt wurde.
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